Blog-Artikel letzte Änderung: 23.01.2020 Autor : SchäferStolz

Fest oder Frei? Fachkräftemangel bei UX/UI Designern

Fest oder Frei? Fachkräftemangel bei UX/UI Designern

Es gibt viele offene Stellen im UX/UI Design und auch im Bereich User Research. Die Kandidatenauswahl ist sehr aufwendig ist und es dauert oft bis zu einem Jahr, bis die Position besetzt ist.

Wann Unternehmen auf Freiberufler setzen sollten, wenn Stellen schwer zu besetzen sind

 

Viele Unternehmen schrecken davor zurück mit Freelancern zu arbeiten – auch wenn die Besetzung von permanenten Positionen heutzutage oft sehr zeitaufwendig ist. Das trifft auch auf bei der Besetzung von Stellen im Bereich UX / UI Design zu. UX/UI Designer sind jedoch oft freiberuflich tätig. Beide Seiten haben gute Gründe.

Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, wann sich die Zusammenarbeit mit einem Freiberufler lohnt und wann Sie besser auf eine Festanstellung setzen sollten. Und wie durch Offenheit und vertragliche Vereinbarungen der oft erhoffte Win-win Doppelsieg erreicht werden kann.

 

Fragen, die unsere Kunden oft stellen:

 

 

1. Kosten Freiberufler nicht viel mehr?

 

Auf den ersten Blick scheinen Festangestellte deutlich günstiger zu sein, im Detail betrachtet dürfte der Unterschied nicht mehr so groß sein.

Das Rechenbeispiel auf unserer Webseite zeigt, dass ein festangestellter Senior UX Designer ca. 65,- € pro Stunde kostet – egal, ob er ausgelastet ist oder nicht. Der mittlere Stundensatz für Freiberufler beträgt derzeit zwischen 70,- € und 85,- € netto. (Stand 2019)

Der Einsatz eines Freiberuflers kann sich bereits lohnen, wenn ein festangestellter UX Designer nicht immer zu 100 % seiner Arbeitszeit ausgelastet ist. Aus unserer Erfahrung starten Projekte häufig mit hohem Aufwand, weil sich viel Arbeit angesammelt hat. Ist diese Arbeit erledigt, was meistens schon nach wenigen Monaten der Fall ist, sinkt die Auslastung, z. B. durch Leerlaufzeiten während Entscheidungsphasen oder während der Implementierung durch die Entwicklungsabteilung.

Ist ein Festangestellter einem bestimmten Projekt zugeordnet und kann schlecht in andere Projekte eingebunden werden, lohnt sich hier die Zusammenarbeit mit einem Freiberufler.

 

2. Arbeiten Sie auch bei uns im Haus?

 

Viele Freiberufler arbeiten bevorzugt im eigenen Büro, Unternehmen wünschen sich aber, dass sie permanent vor Ort arbeiten und komplett ins Team integriert werden. Die Verfügbarkeit vor Ort ist aus unserer Sicht der häufigste Grund, warum Unternehmen die Festanstellung eines Mitarbeiters bevorzugen. Nach fast 20 Jahren Erfahrung können wir beide Seiten verstehen, wissen aber auch, dass viele Vorbehalte unbegründet sind. Für Freiberufler ist es selbstverständlich, an wichtigen Besprechungen und Terminen vor Ort teilzunehmen. 

Um Auftraggebern mehr Sicherheit zu geben, planen wir unsere Projektzeiten im Vorfeld und kommunizieren diese frühzeitig. Auftraggeber wissen dadurch, wann wir an einem Projekt arbeiten. Dieses Vorgehen hat sich bewährt, für beide Seiten. Als Freiberufler können wir weiterhin selbständig agieren, und für unsere Auftraggeber ist die Zusammenarbeit deutlich transparenter und verbindlicher.

In seltenen Fällen ist die 100%ige Verfügbarkeit vor Ort tatsächlich sinnvoll. Hier raten wir immer zu einer Festanstellung. 

 

3. Wie steht´s mit der Geheimhaltung und dem Datenschutz?

 

Wie bei Festangestellten ist es auch für Freiberufler üblich, Geheimhaltungsvereinbarungen (NDA) zu unterschreiben. Das ist also kein Problem. Etwas komplizierter wird es beim Datenschutz, der immer wichtiger wird und das ist auch gut so. Hier müssen Fragen im Vorfeld geklärt werden: Auf welche Bereiche im Firmennetzwerk darf ein Freiberufler zugreifen? Wie kann ein Freiberufler vom eigenen Büro auf das Netzwerk zugreifen etc.? Diese Fragen sollten auf alle Fälle im Vorfeld eines Vertrages diskutiert und ggf. mit der Unternehmens-IT geklärt werden. In den meisten Unternehmen gibt es hierzu bereits erprobte Lösungen, vor allem dann, wenn auch Mitarbeiter gelegentlich von unterwegs oder im Homeoffice arbeiten. Auskunft erteilen hierzu in der Regel Mitarbeiter der IT Abteilung oder Projektleiter. 

 

4. Wie können wir der Scheinselbständigkeit vorbeugen?

 

Manche Unternehmen schrecken vor der Zusammenarbeit mit Freiberuflern zurück, weil sie Angst vor einem Statusfestellungsverfahren durch die Rentenversicherung haben. Wird eine Tätigkeit als Scheinselbständigkeit eingestuft, muss das Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge für den gesamten Beschäftigungszeitraum (maximal 4 Jahre) nachzahlen. Das kann teuer werden.

Scheinselbstständigkeit liegt vor allem dann vor:

  • wenn ein Selbstständiger dauerhaft für einen einzigen Auftraggeber tätig ist sowie dessen Aufträge 5/6 seines Umsatzes ausmachen
  • wenn ein Selbständiger überwiegend weisungsgebunden arbeitet. Das ist dann der Fall, wenn der Selbständige in einem Umfeld arbeitet, in dem der Auftraggeber ihn soweit kontrollieren und steuern kann, dass die unternehmerische Entscheidungsfreiheit des Selbstständigen eingeschränkt wird.
  • wenn ein Selbständiger in die Infrastruktur des Auftraggebers eingebunden ist. Hierzu zählen z. B. eine eigene Email-Adresse im Unternehmen, die Nutzung gestellter Software und die komplette Einrichtung eines festen Arbeitsplatzes.

Ebenso muss ein Freiberufler selbst Sozialabgaben zahlen und sollte dies auch nachweisen können.

Scheinselbständigkeit ist vor allem dann ein Thema, wenn ein Freelancer oder Freiberufler nahezu Vollzeit vor Ort beim Auftraggeber arbeitet und in dessen Team fest integriert ist. Freiberufler sollten nicht selbstverständlich zu Firmenfeiern eingeladen werden, nicht an internen Veranstaltungen teilnehmen, keine vorgegebenen Pausenzeiten befolgen, kein eigenes Telefon mit Durchwahl haben usw.

Wir arbeiten daher nie über einen längeren Zeitraum nur für einen einzigen Auftraggeber und planen unsere Zeiten selbst. Hierbei berücksichtigen wir selbstverständlich die projektbezogenen Zeitvorgaben des Auftraggebers sowie fachliche Vorgaben, die zur erfolgreichen Vertragsdurchführung erforderlich sind. Natürlich arbeiten auch wir manchmal bei unseren Kunden vor Ort, wenn es aus unserer Sicht sinnvoll und zeitsparend ist.

Einer Sache können Sie sich sicher sein: Auch wenn Freiberufler selbständig agieren, ist das Ziel jedes Projekt erfolgreich durchzuführen. Denn genauso wie Festangestellte müssen Freiberufler sich immer neu beweisen, um wieder beauftragt zu werden.

 

Fazit

 

Die Zusammenarbeit mit Freiberuflern lohnt sich bei projektbezogenem Einsatz, wenn eine 100 %ige Auslastung nicht immer gegeben ist. Das ist bei nahezu allen zeitlich begrenzten Projekten der Fall und häufig in der Zusammenarbeit mit Produktmanagement und Entwicklung anzutreffen.

Anders verhält es sich, wenn sich die Tätigkeit nicht auf ein bestimmtes Projekt bezieht, sondern abteilungsübergreifend gearbeitet werden soll. Z. B. ein UX Designer, der für unterschiedliche Projekte im Unternehmen arbeitet und diese nebeneinander betreut. Das ist häufig in unternehmensinternen UX Abteilungen oder Marketingabteilungen anzutreffen. In diesem Fall ist eine Festanstellung sinnvoller.

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