Blog-Artikel letzte Änderung: 13.10.2020 Autor : lara-rall

Ein letztes Mal "Glück auf!" oder: Die Schließung der letzten Zechen

Ein letztes Mal "Glück auf!" oder: Die Schließung der letzten Zechen

Bergbau unter Tage. Das bedeutet Erfindergeist und Motor für den Wohlstand. Aber auch Lebensgefahr und Knochenarbeit. Grubengas bzw. Staubexplosionen durch Aufwirbelung von Kohlenstaub sind nur eine von vielen Phänomenen "unter Tage".

Auch beim modernen Abbau von Steinkohle kann vieles passieren, das die Gesundheit von Mitarbeitern gefährdet und den störungsfreien Ablauf von Arbeitsprozessen erschwert.

Mit der Dieselkatze ins Abbaugebiet Sohle 7

Der letzte Schacht schließt, in den nächsten Tagen wird das Grubenwasser einsickern, der Ort geflutet und eine Epoche zu Ende gehen: Am 21. Dezember 2018 schließt Prosper-Haniel, die bundesweit letzte Zeche in Bottrop, und stellt die Kohleförderung ein. Dieser Tag leitet offiziell das Ende der Ära der Steinkohle ein. Deutschland und besonders das Ruhrgebiet nehmen nach 200 Jahren Industriegeschichte Abschied vom Steinkohlebergbau, da sie angesichts internationaler Konkurrenz unwirtschaftlich geworden war.

Ein trauriger Tag insbesondere für das Kumpelwesen, denn schließlich hat die gemeinsame Arbeit unter erschwerten Bedingungen zum Zusammenhalt ganzer Generationen von Kumpeln (Bergmännern) und Steigern beigetragen. Kohle wurde binnen zwei Jahrhunderten als Energieträger genutzt, das Arbeiten unter Tage als Lebenseinstellung angesehen.

12 Meter pro Sekunde abwärts

Über eine halbe Million Menschen arbeiteten zu Hochzeiten in den Zechen des Ruhrgebiets. Bis zum Ende des Jahres 2018 gab es noch 600 aktive Bergmänner im letzten Steinkohlerevier Deutschlands. Am 14. September 2018 ist die letzte Kohle im Regelbetrieb gewonnen worden. Schon seit den 1960er Jahren lagen die Betriebskosten im westdeutschen Steinkohlenbergbau höher als die am Markt erzielten Erlöse.

Durch Subventionen begannen die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung damit, den Kohleabbau zu unterstützen. 2010 lag der durchschnittliche Marktpreis bei 85,33 €/t SKE (Steinkohleeinheit), die Förderkosten in Deutschland betrugen dagegen etwa 160 €/t SKE. Für den deutschen Steinkohlenbergbau bedeutete dies wirtschaftlich das Aus, da die Entwicklung des Weltmarktpreises in absehbarer Zeit keinen profitablen Betrieb erwarten ließ.

Was ist eine Kohlenstaubexplosion und wie kann sie verhindert werden?

Neben dem Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung (Schutzhelm, Handschuhe, Grubenschuhe, etc.) gibt es im Kohlenbergbau in gut 1.000 Metern unter der Erdoberfläche etliche Sicherheitsvorkehrungen zu beachten. Gerade Kohlenstaubexplosionen sind die Ursache zahlreicher Grubenunglücke im Steinkohle-, seltener auch im Braunkohlebergbau. Sie treten bevorzugt im Gefolge von Grubengasexplosionen auf, da Schlagwetterexplosionen bestehenden Kohlenstaub aufwirbeln und nachfolgend zünden können. Sie können jedoch auch ohne vorangehende schlagende Wetter auftreten, wenn anderweitig aufgewirbelte fein verteilte Kohle durch Funken, erhitzte Geräteteile oder Ähnliches mit Luftsauerstoff reagiert. Kohlenstaubexplosionen können auch auftreten beim Mahlen und Trocknen von Kohle und dem Befüllen von Kohlestaubsilos.

Die Vermeidung von Kohlenstaubexplosionen steht bei der (Kohlen-)Bergwerkssicherheit daher an erster Stelle. Als Schutzmaßnahmen kommen in Frage:

  • gute Wetterführung (Frischluftzuführung und Luftaustausch) innerhalb der Grube, um zündfähige Grubengaskonzentrationen als wesentliche Ursache gar nicht erst entstehen zu lassen,
  • Vermeidung der Aufwirbelung staubförmiger Kohle (etwa durch Besprengung mit Wasser bei Abbau und Transport),
  • Vermeidung der Selbstentzündung von Kohle an der Abbaufront sowie Verwendung schlagwettersicherer Sprengstoffe.

Des Weiteren wird das Risiko durch Absaugung bereits entstandenen Kohlenstaubs und die Absicherung von Maschinen (z. B. durch Kapselung von elektrischen Bauteilen; automatische Abschaltung bei Detektion von Grubengasen) verkleinert.

absaugung