Polymertechnik für das größte Klärwerk Tschechiens
Letzte Änderung: , Autor: sera Group, Fachartikel
Für die neue Kläranlage in Prag wurden elf Polymeraufbereitungsstationen mit Leistungen bis 23 m³/h benötigt. Standardtechnik reichte dafür nicht aus. Das Projekt zeigt, welche Anforderungen große Kläranlagen an Polymeraufbereitung, Anlagenskalierung und eine gleichmäßige Bereitstellung der Polymerlösung stellen.
Polymeraufbereitung als Teil der Schlammbehandlung
Bei der Behandlung von Klärschlamm werden Polymere als Flockungshilfsmittel eingesetzt. Sie unterstützen die Feststoff-Flüssigkeitstrennung und damit nachfolgende Prozesse wie Eindickung und Entwässerung. Entscheidend ist dabei nicht allein, wie viel Polymer zugegeben wird. Die Polymerlösung muss mit definierter Konzentration angesetzt, ausreichend aufbereitet und gleichmäßig für den Prozess bereitgestellt werden.
Wie anspruchsvoll diese Aufgabe bei sehr großen Durchsätzen werden kann, zeigt die neue Kläranlage der tschechischen Hauptstadt Prag.
Nach der Flutkatastrophe von 2002 und angesichts der steigenden Anforderungen einer Millionenstadt wurde die Abwasserinfrastruktur grundlegend erneuert. Für die neue Kläranlage auf der Moldau-Insel Císařský wurde eine Kapazität von 1,2 Millionen Einwohnerwerten geplant. Im Betrieb werden dort mehr als 4,1 m³ Abwasser pro Sekunde behandelt.
Elf Polymerstationen mit unterschiedlichen Leistungen
Für die Polymeraufbereitung wurden insgesamt elf Anlagen benötigt. Gefordert waren Stationen mit Aufbereitungsleistungen von 4 m³/h sowie deutlich größere Einheiten mit 16 und 23 m³/h.
Genau hier lag die technische Herausforderung. Die vorhandene Drei-Kammer-Polymeraufbereitungsstation PolyLine Flow war standardmäßig für Leistungen bis 8 m³/h ausgelegt. Für Prag musste das Anlagenkonzept deshalb auf wesentlich höhere Durchsätze skaliert werden.
Eine einfache Vergrößerung des Behälters hätte dafür nicht ausgereicht. Bei der Auslegung mussten unter anderem die Statik der Tanks neu berechnet und die Rührwerke an die veränderten Dimensionen angepasst werden. Gleichzeitig musste sichergestellt werden, dass auch die erforderlichen Mengen an Polymerpulver gleichmäßig in den Aufbereitungsprozess gelangen.
Polymerbereitstellung gehört zum Gesamtsystem
Für die Versorgung der Anlagen mit Polymerpulver wurden Big-Bag-Stationen und angepasste Trockengutdosierer eingesetzt. Auch die Nachverdünnungseinheiten wurden auf die erforderlichen Durchflussmengen ausgelegt.
Das Beispiel zeigt einen wichtigen Punkt bei der Planung von Polymerdosieranlagen: Die eigentliche Polymeraufbereitung darf nicht isoliert betrachtet werden. Lagerung und Zuführung des Ausgangsstoffs, Ansatz, Vermischung, Reifeprozess, Nachverdünnung und Bereitstellung für den nachfolgenden Prozess müssen als zusammenhängende Verfahrenskette ausgelegt werden.
Das gilt nicht nur für Großkläranlagen. Auch bei kleineren Anlagen können schwankende Schlammqualitäten oder ein ungleichmäßiger Polymeransatz die Flockenbildung und damit die nachfolgende Eindickung oder Schlammentwässerung beeinflussen. Polymeraufbereitungsstationen werden deshalb entsprechend der verwendeten Polymerart, der benötigten Konzentration und dem erforderlichen Durchsatz ausgelegt. sera bietet entsprechende Systeme sowohl für pulverförmige als auch für flüssige Polymere an.
Von 4 bis 23 m³/h mit einem Anlagenprinzip
In Prag wurden schließlich vier PolyLine Flow 23000 S, zwei PolyLine Flow 16000 S und fünf PolyLine Flow 4000 S einschließlich der erforderlichen Zusatzkomponenten installiert. Die Inbetriebnahme erfolgte 2018.
Das Projekt macht deutlich, worauf es bei großen Polymeraufbereitungsanlagen ankommt: Nicht ein einzelnes Bauteil bestimmt die Funktion, sondern die Abstimmung der gesamten Aufbereitungs- und Dosierkette auf den tatsächlichen Prozessbedarf.