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Durchlaufzeit Hersteller

Als Kennzahl der Produktionslogistik bezeichnet die Fachwelt Durchlaufzeit als Maß für Flussgeschwindigkeit und Kapitalbindung vom definierten Prozessstart bis zur Bereitstellung des Ergebnisses, inklusive Bearbeitung, Rüsten, Warten, Transport und Liegen. In der diskreten Fertigung steuert diese Kennzahl Reihenfolgeplanung, Engpassmanagement und Kanban-Regeln zur Begrenzung von Work-in-Process (WIP). Bei der Beschaffung von Software oder Beratung zählt die klare Festlegung von Start- und Endereignis, belastbare ERP- und MES-Zeitstempel sowie Analysen mit 80- und 95-Prozent-Perzentilen und Streuung.

Mehr über Durchlaufzeit

Die Durchlaufzeit ist die Gesamtdauer vom Auftragseingang bis zur Übergabe des Ergebnisses. Sie umfasst Bearbeitung und Stillstand. Für Planung und Steuerung zeigt sie Staupunkte, Bestandsniveaus und Termintreue. Klare Messgrenzen, konsistente Datenerfassung und die Trennung der Zeitarten sind Voraussetzung für belastbare Aussagen zu Leistungsfähigkeit, Kostenverlauf und Reaktionsgeschwindigkeit der Wertschöpfungskette.

Grundlagen: Begriff und Bestandteile

Die Messung beginnt am Startereignis (z. B. Auftragseingang im System) und endet mit dem Endereignis (z. B. Warenausgang oder Freigabe). Dazwischen liegen Zeitarten mit unterschiedlicher Wirkung auf den Materialfluss. Analysen erfassen neben aktiver Arbeit insbesondere Ruhen, Warten und Transport getrennt, um Ursachen von Verzögerungen abzuleiten.

Komponenten und Einordnung

Zu den Zeitarten zählen die Bearbeitungszeit, die Rüstzeit, die Wartezeit, die Transportzeit sowie die Liegezeit. Aktive Bearbeitung schafft Wert. Rüsten, Warten und Liegen weisen auf Taktbrüche, unausgeglichene Kapazitäten oder überdimensionierte Losgrößen hin. Transport ist meist notwendig, jedoch nicht direkt wertschaffend.

Zeitarten innerhalb der Gesamtdauer
KomponenteBeschreibungMerkmal
BearbeitungszeitAktive Transformation am ObjektDirekt wertschaffend
RüstzeitVorbereitung von Maschine oder ArbeitsplatzIndirekt, vorbereitend
WartezeitUntätigkeit bis zum nächsten SchrittNicht wertschaffend
TransportzeitBewegung zwischen StationenNotwendig, aber indirekt
LiegezeitGeplantes oder ungeplantes Ruhen im PufferIndikator für Überbestand

Unterkategorien verfeinern die Betrachtung: Die Fertigungsdurchlaufzeit umfasst alle werkstattbezogenen Schritte, die Auftragsdurchlaufzeit bildet zusätzlich administrative Anteile ab, und die Entwicklungsdurchlaufzeit bezieht sich auf Forschung, Konstruktion und Freigabe. Unterschiedliche Start- und Endpunkte erfordern je eigene Messlogiken, sonst verwässern Steuerungssignale.

Wirkungen auf Kosten, Termine und Bestände

Kürzere Gesamtdauern senken Umlaufvermögen, Zinslasten und Obsoleszenzrisiken. Gleichzeitig steigt die Termintreue, weil weniger Aufträge parallel im System stehen. Geringere Bestände reduzieren Flächenbedarf und Suchaufwände. In variantenreichen Umgebungen verbessert eine schnellere Abfolge die Reihenfolgeplanung und stützt realistische Zusagen gegenüber Vertrieb und Kunden.

Für flexible Reaktion sind kurze Rückkopplungszeiten entscheidend: Plananpassungen, Engineering-Änderungen und Lieferterminverschiebungen wirken mit geringerer Trägheit. In auftragsbezogener Fertigung beeinflussen kleine Losgrößen, niedrige Puffer und abgestimmte Takte den Auftragsdurchgang unmittelbar.

Analyse und Messung

Eine robuste Messung kombiniert Zeitstempel aus ERP (Enterprise Resource Planning), MES (Manufacturing Execution System) und MOM (Manufacturing Operations Management) mit IoT-Sensorik. Die grafische Aufbereitung über die Wertstromanalyse (Value Stream Mapping) macht Engstellen sichtbar. Die Wertstromanalyse verbindet Material- und Informationsfluss, wodurch Ursachenketten statt Einzelsymptome adressiert werden.

Zur Bewertung dient der Durchlaufzeitgrad, das Verhältnis von aktiver Arbeit zur Gesamtdauer. Beispiel: 3 Stunden Bearbeitung bei 20 Stunden Gesamt ergeben 15 Prozent. Ergänzend liefern 80/95-Prozent-Perzentile, Streuung und der Anteil von Warte- und Liegephasen ein realistisches Bild über Schwankungen, die Terminrisiken verstärken.

Strategien zur Verkürzung

Erster Hebel ist die präzise Bestimmung des Engpasses. Dort erhöhen Kapazitätserweiterung, verbesserte Verfügbarkeit, stabile Takte und priorisierte Auftragsreihenfolgen den Durchsatz. Abseits des Engpasses wirken Parallelisierung, saubere Übergaben und kurze Informationswege. So lässt sich Stauaufbau vermeiden, der sonst in nachfolgenden Bereichen zu Liegezeiten und Umlaufbeständen führt.

Lean-Methoden fokussieren auf Fluss: JIT (Just-in-Time) synchronisiert Anlieferungen, Kanban steuert per Zugprinzip, Kaizen treibt kontinuierliche Anpassungen. Rüstzeitverkürzung über SMED (Single-Minute Exchange of Die) ermöglicht kleinere Lose ohne Leistungseinbruch. Layouts entlang des Materialstroms, einheitliche Takte und stabile Prozesszeiten reduzieren Variabilität und verkürzen die Zykluszeit.

  • Rüsten verkürzen: Externe Tätigkeiten trennen, Vorrichtungen standardisieren, Wechselpunkte sichern.
  • Flussorientierung: Linien statt Funktionsinseln, kurze Wege, eindeutige Übergaben.
  • Zugsteuerung: Kanban-Regeln, klare Puffergrenzen, Losgrößen diszipliniert klein halten.
  • Synchronisierte Planung: Taktabstimmung, feste Startzeiten, prioritätsbasierte Reihenfolgen (z. B. EDD).

Einflussfaktoren in Organisation und Technik

Planungsregeln bestimmen die Ruhezeiten stärker als Nominalleistungen. First-Come-First-Served verursacht häufig Staus vor Engstellen. Regeln wie EDD (Earliest Due Date) oder SPT (Shortest Processing Time) reduzieren Warteanteile kontextabhängig. Qualifikation, Schichtübergaben und klare Verantwortlichkeiten verhindern Rückfrageschleifen. Auf technischer Seite prägen Maschinenverfügbarkeit, Instandhaltung und Prozessfähigkeit die aktive Bearbeitungszeit.

Pufferbestände glätten Schwankungen, verlängern aber die Gesamtdauer. Nach Little’s Law gilt: Bestand = Durchsatz × Durchlaufdauer. Wer den Work-in-Process halbiert, halbiert bei gleichbleibendem Durchsatz näherungsweise die Dauer. Saubere Kapazitätsplanung, realistische Terminvorgaben, verlässliche Lieferzeiten und abgestimmte Materiallogistik stabilisieren den Materialfluss ohne überdimensionierte Reserven.

Anwendungsfall: Ein Montagebereich misst 28 Stunden vom Wareneingang bis zum Versand, davon 4 Stunden aktive Arbeit. Durch SMED sinkt die Rüstzeit um 30 Prozent, Losgrößen halbieren sich, Kanban limitiert parallele Aufträge. Ergebnis nach acht Wochen: 14 Stunden Gesamtdauer, gleichbleibender Durchsatz, 50 Prozent weniger Umlaufbestand und deutlich verbesserte Termintreue.

Hersteller von Systemen und Beratungsdienstleistungen zur Optimierung der Durchlaufzeit sind z. B. SAP (S/4HANA mit Modulen für Produktion und Planung), Siemens (Manufacturing Operations Management, Opcenter), Dassault Systèmes (DELMIA für digitale Fertigungsplanung), Oracle (ERP und Supply-Chain-Management), PSI Automotive & Industry (PSIpenta ERP), abas Software AG (abas ERP), Infor (CloudSuite Manufacturing), Microsoft (Dynamics 365 Supply Chain Management) und Rockwell Automation (MES). Hinzu kommen Unternehmensberatungen wie McKinsey & Company, Boston Consulting Group (BCG) und Roland Berger mit spezialisierten Leistungen zur Prozess- und Durchlaufzeitoptimierung.

FAQ zu Durchlaufzeit

Wie können KMU ihre Durchlaufzeit ohne große Investitionen verbessern?

KMU starten mit einer manuellen Wertstromanalyse, um Engpässe und Verschwendung zu identifizieren. Priorität haben schnelle Verbesserungen wie kürzere Rüstzeiten durch SMED und eine effizientere Arbeitsplatzorganisation nach 5S-Prinzipien. Mitarbeiterschulungen und visuelles Shopfloor Management fördern die Umsetzung ohne kostspielige IT-Systeme.

Welche typischen Fehler treten bei der Verkürzung von Durchlaufzeiten auf

Häufig wird der Fokus auf einzelne Prozessschritte statt auf den gesamten Wertstrom gelegt. Unternehmen optimieren die Bearbeitungszeit, vernachlässigen jedoch Warte- und Liegezeiten. Ohne gründliche Ursachenanalyse werden Symptome statt Ursachen adressiert, was nur kurzfristige oder ineffektive Verbesserungen bewirkt.

Wie kann der wirtschaftliche Effekt einer verkürzten Prozessdauer gemessen werden?

Ein kürzerer Prozess reduziert Kapitalbindungskosten und ermöglicht eine schnellere Reaktion auf Kundenanforderungen. Der wirtschaftliche Nutzen lässt sich über den Return on Investment (ROI) von Optimierungsmaßnahmen ermitteln, indem Lagerkosten, Zinsaufwendungen und Umsatzsteigerungen durch höhere Liefertreue einbezogen werden. Zudem kann eine gesteigerte Kundenzufriedenheit zu Folgeaufträgen und wachsenden Marktanteilen führen.

Welche Bedeutung haben KI und digitale Zwillinge für die Optimierung von Durchlaufzeiten?

Künstliche Intelligenz ermöglicht prädiktive Analysen zur frühzeitigen Erkennung von Engpässen und zur Optimierung der Auftragsreihenfolge. Digitale Zwillinge simulieren Produktionsszenarien und prüfen die Folgen von Prozessänderungen virtuell, bevor sie umgesetzt werden. Beide Technologien unterstützen eine dynamische, autonome Steuerung von Material- und Informationsflüssen in Echtzeit.

Worin unterscheidet sich die Zeitsteuerung in Dienstleistungsbranchen von der in der Produktion

In Dienstleistungsbranchen konzentriert sich die Zeitsteuerung auf Informationsflüsse und Entscheidungsprozesse. Ausschlaggebend sind Kommunikationszeiten, Genehmigungsdauer und die Koordination menschlicher Arbeit. Agile Methoden wie Scrum in der Softwareentwicklung nutzen kurze Sprints und schnelle Feedbackschleifen zur Effizienzsteigerung.

Wie beeinflusst eine verkürzte Prozessdurchlaufzeit die Nachhaltigkeit eines Unternehmens?

Eine verkürzte Prozessdurchlaufzeit steigert die Nachhaltigkeit, indem sie Material- und Energieverbrauch reduziert. Geringere Umlaufbestände verringern den Bedarf an Lagerfläche und Energie für deren Erhalt. Zudem senkt eine präzisere Planung Ausschuss und Nacharbeit, was Ressourcen spart und Umweltbelastungen mindert.

Wie lassen sich Mitarbeiter für Maßnahmen zur Verkürzung von Durchlaufzeiten motivieren?

Transparente Kommunikation über den Nutzen der Veränderungen, etwa die Vereinfachung der eigenen Arbeit, fördert die Motivation. Die Einbindung in den Verbesserungsprozess und regelmäßige Schulungen erhöhen Akzeptanz und Verständnis. Sichtbare Erfolgserlebnisse stärken die intrinsische Motivation und das Vertrauen in neue Abläufe.

Hintergrund: Durchlaufzeit

  • Durchlaufzeit Wikipedia

    Die Wikipedia definiert Durchlaufzeit als Zeitraum vom Auftragseingang bis Warenausgang; sie umfasst Bearbeitung/Rüsten, Warten/Liegen und Transport, unterstützt Planung/Steuerung (Littles Gesetz) und wird durch Lean, Kapazität, Parallelisierung und Materialbedarfsplanung verkürzt.