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Microtunneling ist ein ferngesteuerter, grabenloser Rohrvortrieb zur Verlegung von Leitungen zwischen Start- und Zielschacht. Eine Ortsbrustmaschine löst den Boden, der über einen Spül- oder Förderkreislauf abtransportiert wird. Hydraulik presst Vortriebs- und Produktrohre nach. Das Verfahren ermöglicht lage- und höhengenaue Trassen in DN 250 bis DN 3000 mit etwa ±10 mm je 100 m nach DWA-A 125. Einsatzfelder sind Abwasserleitungen, Versorgungskanäle und Servicetunnel, besonders unter Verkehrsflächen oder bei hohem Grundwasser.

Mehr über Microtunneling

Microtunneling beschreibt den ferngesteuerten Rohrvortrieb für die Neuverlegung von Leitungen unter der Erdoberfläche, ohne entlang der Trasse offene Gräben anzulegen. Die Methode wird im Kanalbau genutzt, um Abwasserleitung, Versorgungskanal und Servicetunnel lagegenau herzustellen und den Baubestand sowie angrenzende Bauwerke zu schützen. Sie eignet sich besonders unter Verkehrswegen, in sensiblen Quartieren und bei hohem Grundwasserniveau.

Grundlagen des grabenlosen Rohrvortriebs

Das Verfahren arbeitet grabenlos mit Start- und Zielschacht und ersetzt den Grabenbau auf der Strecke vollständig. Es reduziert Oberflächenöffnungen, vermeidet großflächige Erdarbeiten und beschränkt Eingriffe auf einen kompakten Installationsplatz. Für Kanalsanierung und Neuverlegung liefert Mikrotunnelbau präzise Gefälle und definierte Querschnitte bei gleichzeitiger Schonung der vorhandenen Infrastruktur.

Im innerstädtischen Kontext schützt die geschlossene Bauweise vor Lärm und Erschütterungen und hält die Erdoberfläche für den Verkehr frei. Dadurch bleiben Verkehrsweg, Gewerbe und Holzbau-Projekte an der Oberfläche weitgehend unbeeinträchtigt, während unterirdisch das Produktrohr lagegenau eingebaut wird.

Funktionsprinzip, Führung und Materialtransport

Im Startschacht schiebt eine Hydraulik das Vortriebsrohr und das spätere Produktrohr im Spannverfahren in den Boden. Eine Ortsbrustmaschine löst das Bodenmaterial. Der Aushub gelangt mit einem zirkulierenden Fördermedium zurück zur Baustelle, wo Trennung und Entsorgung organisiert sind. Die Bohrung folgt einer Sollachse, deren Führung über Sensorik und Vermessung in Echtzeit überwacht wird.

Die Steuerung erfolgt aus einem Steuercontainer, der mit der Maschine über eine robuste Schnittstelle verbunden ist. Im Pilotrohrvortrieb kann ein Pilotrohr die Erstführung übernehmen. Nach Zielbohrung und Durchbruch im Zielschacht wird auf den Hauptdurchmesser erweitert. So wird die Rohrstrecke ohne Oberflächeneingriff aufgebaut.

Technische Spezifikationen und Präzision

Typische Durchmesser reichen von DN 250 bis DN 3000. Darüber beginnt der Schildvortrieb. Moderne Systeme halten Lage- und Höhenabweichungen von etwa ±10 Millimetern je 100 Meter, wie im Regelwerk DWA-A 125 beschrieben. Diese Genauigkeit senkt das Risiko einer Routenabweichung und erhält das geplante Gefälle für die Instandhaltung.

Die Bohrung ist auf Durchmesser, Querschnitt und Rohrmaterial abzustimmen. Für das Rohrmaterial kommen Stahlbeton, GFK und Stahl infrage. Diese widerstehen Presskräften, bieten glatte Innenflächen für geringe Energiekosten im Betrieb und tragen Bauwerkslasten. Ausrüstungen wie Zwischenpressstationen, Navigationssensoren und Trenntechnik werden an Geometrie und Bodenmaterial angepasst.

Leistungsfähigkeit, Haltungslängen und Tagesvortrieb

Die Vortriebsleistung liegt je nach Untergrund, Durchmesser und Maschinentyp meist zwischen fünf und zwanzig Metern pro Tag. Unter günstigen Bedingungen sind Haltungen bis 1.500 Meter ohne Zwischenpressung möglich. Mit zunehmender Haltungslänge steigen Reibung, Förderweg des Aushubs und die Belastung des Spannverfahrens.

Ökonomie und Umweltwirkungen

Die grabenlose Bauweise reduziert Bodenaushub, Transporte und Entsorgung im Vergleich zur Grabenverlegung erheblich. Geringere Oberflächenarbeiten verkürzen Sperrungen, mindern die Akustikbelastung der Umgebung und halten wirtschaftliche Aktivitäten entlang der Trasse aufrecht. Für die Instandhaltung begünstigt die präzise Geometrie einen störungsarmen Betrieb der Leitungssysteme.

Im Betrieb des Netzes sinken Energiekosten durch hydraulisch günstige Innenflächen und eine planmäßige Gefällesituation. Kostenvorteile ergeben sich zudem durch eine kompakte Baustelle, beschleunigte Baulogistik und weniger Kollisionspunkte mit Leitungen. Die geschlossene Ortsbrust begrenzt beim Arbeiten im Grundwasser das Eindringen von Wasser.

Verfahrenswahl im unterirdischen Leitungsbau
Verfahren Anwendungsbereich Hauptvorteil
Microtunneling Große Durchmesser, präzise Neigung, schwieriger Boden Hohe Genauigkeit, geringe Oberflächenstörung
Offener Grabenbau Kurze Strecken, geringe Bebauungsdichte Direkte Sichtkontrolle, einfache Logistik
HDD (Horizontal Directional Drilling) Lange Strecken, kleinere Durchmesser Flexibler Trassenverlauf, wenige Zugänge

Auswahlkriterien und Engineering

Geologie und Hydrogeologie bestimmen Maschinentyp, Förderkreislauf und Stützmittel. Sande, Tone, Kiese oder Fels erfordern differenzierte Werkzeuge, während Grundwasser und Grundwasserdruck die Bauphysik des Vortriebs und die Abdichtung der Schächte prägen. Die Vermessung liefert die Sollachse, die Datenspeicherung ermöglicht eine lückenlose Dokumentation.

Planer wählen Querschnitt und Rohrstatik nach Lastfällen und Medienaggressivität. Ein Baukoordinator steuert Schnittstellen zwischen Vermessung, Maschinenführung, Baustellenlogistik und Entsorgung. Die Projektorganisation nutzt ein Intranet für Pläne, Freigaben und die Speicherung von Messreihen, sodass Nachweise zu Führung, Lage und Zielbohrung konsistent bleiben.

  • Materialwahl: Beständigkeit gegenüber Abwasser, Presskraft im Spannverfahren, Anschlussdetails
  • Schachtkonzept: Dimensionierung von Startschacht und Zielschacht, Zugang für Ausrüstung
  • Baulogistik: Transportwege, Installationsplatz, temporäre Lagerung des Bodenmaterials
  • Risikomanagement: Setzungen, Grundwasser, Kollisionsprüfung mit Bestand

Regelwerke wie DWA-A 125 und behördliche Auflagen verschärfen die Nachweispflichten. Leitmotiv vieler Projekte ist daher: so viel Präzision wie nötig, so wenig Oberfläche wie möglich. Dabei bleibt die Unterscheidung zwischen Grabenverlegung im offenen Verfahren und grabenloser Verlegung als planerische Grundsatzentscheidung eindeutig.

Qualitätssicherung und Betrieb

Kalibrierte Sensorik, wiederholte Vermessung und die Speicherung von Maschinenparametern sichern die Qualität. Nach dem Durchbruch werden Dichtheitsprüfungen dokumentiert, schadhafte Altleitungen stillgelegt oder umgebunden und die Inbetriebnahme im Netz koordiniert. Für die Betriebsphase erleichtern glatte Rohrinnenflächen die Reinigung und tragen zu einer langlebigen Haltung bei.

Anbieterlandschaft, Pionierarbeit und Praxisbeispiele

Führende Anbieter wie Herrenknecht, VMT, Akkerman, STRABAG, PORR, Bauer Spezialtiefbau, Hochtief, Ed. Züblin AG, Wayss & Freytag Ingenieurbau, Denys, Iseki, Bilfinger Construction, Franki Grundbau und Max Bögl verknüpfen Maschinenbau mit Engineering und Service. Zahlreiche Projekte im europäischen Großraum haben die Leistungsfähigkeit der Technik etabliert.

  • Innenstadttrasse: DN 1200 über 820 Meter unter einem stark belasteten Verkehrsweg, sandiger Untergrund mit hohem Grundwasser. Reduzierte Bodenöffnung, gesicherter Baubestand, präzise Führung, Einbau einer neuen Versorgungskanal-Leitung.
  • Querung am Werksareal: Servicetunnel DN 1800 unter einem Bauwerk. Bohrung im Tonstein, kontrollierte Akustik an der Oberfläche, Nutzung eines lokalen Installationsplatzes, Übergabe über eine digitale Schnittstelle ins Inbetriebnahme-Intranet.

In Ausbildung und Betrieb sind klare Rollen wichtig: Ein erfahrener Baukoordinator koordiniert das Team, die Ausrüstung wird turnusmäßig gewartet und die Dokumentation der Vermessung bleibt im Intranet langfristig abrufbar. Diese Praxis vermeidet Routenabweichungen, hält den Betrieb stabil und schafft belastbare Nachweise für den Kanalbau.

FAQ zu Microtunneling

Wie wird beim Microtunneling auf unerwartete Hindernisse reagiert?

Treffen die Bohrarbeiten auf Hindernisse wie große Felsbrocken oder alte Fundamente, wird der Vortrieb gestoppt. Je nach Situation kommen Maßnahmen wie Bodenstabilisierung durch Injektion oder kontrollierte Überbohrung zum Einsatz. Bei massiven Blockaden kann eine Bergung des Schneidrads oder zusätzliche Schachtarbeiten erforderlich sein. Eine sorgfältige geologische Vorerkundung reduziert solche Risiken deutlich.

Wie lassen sich die Gesamtkosten eines Rohrvortriebsprojekts realistisch berechnen

Die Gesamtkosten hängen von Bodengeologie, Maschinentyp, Rohrdurchmesser sowie Länge und Tiefe der Trasse ab. Zusätzliche Kosten entstehen durch Baustelleneinrichtung, Materialtransport und Entsorgung des Aushubs. Unerwartete Bodenverhältnisse oder ein hoher Grundwasserspiegel können Laufzeit und Budget erheblich beeinflussen. Eine fundierte Risikoanalyse ist daher wesentlich für eine verlässliche Kalkulation.

Welche technologischen Trends bestimmen die Weiterentwicklung des Microtunneling?

Die Weiterentwicklung des Microtunneling wird durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung in der Steuerungssoftware geprägt. Fortschrittliche Sensortechnik verbessert die Präzision der Navigation und die Echtzeitanalyse der Bodenverhältnisse. Zugleich rücken nachhaltige Rohrmaterialien und energieeffiziente Antriebssysteme in den Fokus, um Effizienz, Sicherheit und Umweltverträglichkeit weiter zu erhöhen.

Wie senkt grabenloser Leitungsbau den CO2-Ausstoß bei Infrastrukturprojekten?

Grabenloser Leitungsbau reduziert Erdbewegungen sowie den Transport von Aushub und Füllmaterial. Dadurch sinkt der Kraftstoffverbrauch von Baumaschinen und Lkw erheblich. Geringere Oberflächeneingriffe vermeiden zudem Umleitungen und Staus, was Fahrzeugemissionen weiter verringert. Insgesamt verbessert die Methode die Umweltbilanz und senkt die CO2-Emissionen deutlich.

Welche Sicherheitsmaßnahmen sind beim Microtunneling für das Personal unverzichtbar

Erforderlich sind Schulungen für den Umgang mit Hochdrucksystemen und das Arbeiten in engen oder sauerstoffarmen Räumen. Eine kontinuierliche Gasüberwachung in Start- und Zielschächten minimiert Atemrisiken. Regelmäßig geübte Notfall- und Rettungspläne gewährleisten schnelle Hilfe im Ernstfall. Eine jederzeit funktionierende Kommunikationsverbindung zwischen Steuercontainer und Schachtbereich ist ebenfalls sicherheitsrelevant.

Wie wird Aushubmaterial aus Bohrvortrieben umweltgerecht entsorgt oder verwertet?

Das Aushubmaterial wird nach der Trennung vom Fördermedium nach Zusammensetzung und Belastung bewertet. Unbedenkliches Material kann als Verfüll- oder Landschaftsbau-Material wiederverwendet werden. Belasteter Aushub wird in zugelassenen Deponien entsorgt. Ziel ist die Minimierung des Materialaufkommens und der Einsatz von Recyclingstoffen zur Schonung natürlicher Ressourcen.

Eignet sich der Microtunnelbau für dicht bebaute Stadtgebiete?

Ja, der Microtunnelbau ist besonders für urbane Gebiete geeignet, da er Oberflächenstörungen weitgehend vermeidet. Der geringe Platzbedarf der Start- und Zielschächte reduziert Verkehrs- und Anwohnerbeeinträchtigungen. Präzise Überwachung von Vibrationen und Setzungen schützt umliegende Gebäude und Infrastruktur. Damit zählt das Verfahren zu den bevorzugten Methoden bei komplexen innerstädtischen Infrastrukturprojekten.

Hintergrund: Microtunneling