Verwandte Kategorien
Weitere Sicherheitsglas Hersteller
Über Sicherheitsglas
Sicherheitsglas zählt zu den zentralen Werkstoffen im modernen Bauwesen. Die Materialstruktur bewirkt unter äußerer Belastung ein kontrolliertes Bruchverhalten. Das reduziert Schnitt- und Schlagverletzungen. In Gebäuden und Fahrzeugen erfüllt dieser Glasaufbau eine doppelte Funktion: Er schützt Menschen und stabilisiert die konstruktive Rahmeneinheit.
Funktionsprinzipien und Typen
Zwei Hauptarten prägen den Begriff Sicherheitsglas. Bei Temperaturen über 600 °C entsteht durch Wärmebehandlung Einscheibensicherheitsglas (ESG). Dabei bilden sich Zugspannungen im Kern und Druckspannungen an der Oberfläche. Diese Spannungsverteilung erhöht Stoß- und Biegefestigkeit deutlich. Beim Bruch zerfällt die Scheibe in kleine, stumpfe Krümel – ein zentrales Merkmal für Innenanwendungen wie Glastüren oder Duschabtrennungen.
Das Verbundsicherheitsglas (VSG) kombiniert mindestens zwei Glasscheiben mit hochelastischen Kunststofffolien aus Polyvinylbutyral oder Ethylen‑Vinylacetat. Bei Beschädigung haften Bruchstücke an der Folie, wodurch Resttragfähigkeit erhalten bleibt. VSG erreicht Widerstandsklassen bis P8B gemäß DIN EN 356 oder BR7 nach DIN EN 1063 – Werte, die auch für Schutzzonen gegen Beschuss maßgeblich sind. Beispiel: In Banken werden Verbundscheiben mit dreifacher Folienlage verwendet, um Durchschussbeständigkeit gegen Pistolenmunition sicherzustellen.
Spezifische Materialeigenschaften
Die Leistungsparameter einer Verglasung hängen von optischen und mechanischen Faktoren ab. Eine hohe Lichtdurchlässigkeit ist vor allem im Fassadenbau gefordert; sie liegt typischerweise zwischen 80 % und 90 %. Oberflächenveredelungen erhöhen die Kratzfestigkeit und erleichtern die Reinigung glatter Flächen. Wo Feuchtigkeit einwirkt, verlängern chemisch gehärtete Deckgläser die Lebensdauer der Baugruppe.
Nicht nur optische Aspekte entscheiden über die Auswahl. Die Glasstärke beeinflusst den Widerstand gegen Absturzlasten nach DIN 18008‑4 maßgeblich. Ebenfalls wichtig sind spezialisierte Bearbeitungstechniken wie das Fräsen von Kanten oder präzises Schleifen in der Glasschleiferei. Solche Verfahren bestimmen das Endmaß eines Glaszuschnitts millimetergenau.
Kriterien zur Auswahl geeigneter Verglasungen
- Sicherheitsstufe: Die Klasse richtet sich nach den Normreihen DIN EN 356 (Einbruchhemmung) oder DIN EN 1063 (Beschusshemmung). Sie beschreibt die Energieaufnahme im Pendelschlagtest oder unter ballistischer Beanspruchung.
- Anwendungsfeld: Fensterbau und Fassadenbau sowie Sonderfahrzeugbau definieren Belastungsprofile mit Temperaturgradienten bis 200 K und Schlagbeanspruchungen durch Winddruck.
- Veredelung: Beschichtungen wie Sonnenschutzschichten oder keramischer Glasdruck verbessern Strahlungsreflexion beziehungsweise Farbwirkung im Interieur.
- Bearbeitbarkeit: Für Möbelindustrie und Ladenbau sind Ausschnitte für Beschläge sowie Bohrbilder relevant; präzise Fertigungsanlagen gewährleisten Toleranzen unter ±0,2 mm.
Zertifizierung und Prüfprozesse
Sicherheitsanforderungen werden gemessen und geprüft. ESG muss nach DIN EN 12150‑1 den Fragmentierungstest bestehen. Das Kriterium ist die Mindestanzahl an Bruchstücken: In einem 50 × 50 mm großen Messfeld müssen je nach Glasdicke mindestens 40 Partikel entstehen. VSG wird mit Fallkugeln oder Stoßpendeln geprüft. Bewertet werden Resttragfähigkeit und Haftverbund der Folie unter unterschiedlichen Klimabelastungen.
| Kriterium | Einscheibensicherheitsglas (ESG) | Verbundsicherheitsglas (VSG) |
|---|---|---|
| Bruchverhalten | Kleine stumpfe Krümel nach Versagen | Haftung aller Fragmente an der Folie |
| Einsatztemperaturbereich | -50 bis +250 °C | -20 bis +80 °C je nach Folientyp |
| Klassifizierungstest | Pendelschlag nach DIN EN 12600 | Kugelfalltest gemäß DIN EN ISO 12543 |
| Anwendungsfelder | Duschkabine – Innenausbau – Glastrennwand | Sicherheitsfassade – Automobilverglasung – Schaufensteranlage |
| Nennzugspannung [N/mm²] | ca. 90–120 | abhängig vom Verbundsystem |
| Lichte Transmission [%] | > 88 | > 85 |
Kostenfaktoren bei Planung und Beschaffung
Neben Normprüfungen ist der wirtschaftliche Rahmen relevant. Der Materialanteil steigt mit Glasdicke sowie Anzahl der Lagen im Laminataufbau. Der Bearbeitungsaufwand prägt die Preisstruktur häufig stärker als die Rohmaterialpreise, insbesondere wenn Fräsbohrungen oder Lackierprozesse erforderlich sind.
- Materialaufwand: Dicke über 12 mm erhöht das Eigengewicht um rund 25 %, was stärkere Halterungen aus Metall verlangt.
- Konstruktive Komplexität: Sonderformen mit gekrümmtem Radius erfordern thermoplastische Formpressverfahren mit Heizzyklen bis 650 °C.
- Zusätzliche Funktionen: Wärmeisolierendes Wärmeglas.
Hersteller sind Euroglas GmbH, Flachglas Schweiz AG, Glas-Zentrum Wismar GmbH, 3A Glasschutzfolien GmbH, Schutzgitteranlagen Krone GmbH & Co.KG, Hansaglas GmbH
FAQ zu Sicherheitsglas
Wie lässt sich Sicherheitsglas pflegen, um seine Lebensdauer zu maximieren?
Sicherheitsglas sollte regelmäßig mit pH-neutralen Reinigern und weichen Tüchern gereinigt werden, um die Oberflächen zu schützen. Scheuermittel und scharfe Gegenstände sind zu vermeiden, da sie Mikrokratzer und Beschichtungsschäden verursachen können. Bei Spezialbeschichtungen, etwa selbstreinigenden oder antireflektierenden Oberflächen, sind die Herstellerangaben einzuhalten. Eine jährliche Sichtprüfung auf Beschädigungen gewährleistet die langfristige Funktionalität.
Welche Bedeutung hat Verbundglas für den Schallschutz in Gebäuden?
Verbundsicherheitsglas verbessert die Schalldämmung deutlich, insbesondere mit Akustikfolien zwischen den Scheiben. Diese wirken als Dämpfungsschicht im Masse-Feder-Masse-System und mindern die Schallübertragung. Durch geeignete Kombination von Folien und Glasstärken lassen sich Schalldämmmaße (R_w) über 40 dB erreichen, entsprechend den Vorgaben der DIN 4109 für erhöhten Schallschutz. Eine fachgerechte Einbindung in den Fensterrahmen ist für die Gesamtleistung entscheidend.
Wie beeinflusst UV-Strahlung die Lebensdauer von Verbundsicherheitsglas?
Polyvinylbutyral- (PVB) und Ethylenvinylacetat- (EVA) Folien in Verbundsicherheitsglas können durch langfristige UV-Strahlung altern. Moderne Folien enthalten UV-Absorber, die Vergilbung und Materialermüdung verzögern. Die Haltbarkeit hängt von Folienqualität und Sonneneinstrahlung ab, bei hochwertigen Produkten beträgt die erwartete Lebensdauer 15 bis 20 Jahre. Prüfungen nach DIN EN ISO 12543-4 sichern die Langzeitstabilität.
Welche gesetzlichen Anforderungen gelten für Glasinstallationen in öffentlichen Gebäuden?
Für Glasinstallationen in öffentlichen Gebäuden gelten hohe Sicherheitsanforderungen. Absturzsichernde Verglasungen müssen der DIN 18008-4 entsprechen, ergänzend ist die Technische Regel für absturzsichernde Verglasungen (TRAV) anzuwenden. Planung und Ausführung sind von qualifiziertem Fachpersonal durchzuführen. Eine Systemprüfung und die Bauabnahme durch einen Sachverständigen sind verpflichtend. Die Einhaltung dieser Vorgaben dient dem Schutz vor Personenunfällen.
Kann Sicherheitsglas feuerhemmende Eigenschaften aufweisen?
Ja, sogenannte Brandschutzgläser kombinieren Sicherheits- und Feuerwiderstandseigenschaften. Sie bestehen aus mehreren Glasschichten mit intumeszierenden Zwischenschichten, die bei Hitze aufschäumen und eine isolierende Barriere bilden. Die Klassifizierung erfolgt nach DIN EN 13501-2, etwa als EI30 oder EI60, entsprechend einer Feuerwiderstandsdauer von 30 beziehungsweise 60 Minuten. Die Auswahl richtet sich nach der geforderten Schutzklasse des Bauvorhabens.
Welche TCO-Faktoren sind bei der Wahl einer Sicherheitsglas-Fassade entscheidend?
Die Total Cost of Ownership einer Sicherheitsglas-Fassade umfasst neben Anschaffungs- und Installationskosten auch langfristige Aufwendungen für Wartung, Energieverbrauch und Instandsetzung. Hochwertiges Sicherheitsglas mindert das Risiko von Vandalismus und Einbruch und kann dadurch Versicherungskosten senken. Eine gute Wärmedämmung mit einem U-Wert unter 1,0 W/(m²K) reduziert Heiz- und Kühlkosten über die meist mehr als 30-jährige Lebensdauer der Fassade. Investitionen in zertifizierte Qualität erhöhen die Wirtschaftlichkeit langfristig.
Wie wird Sensorik in Glas für smarte Anwendungen integriert?
Sensorik wird in Glas integriert, indem leitfähige Schichten oder Mikrokontakt-Sensoren in den Glasverbund eingebettet werden. Sie erfassen beispielsweise Glasbruch, Berührung oder Anwesenheit und lassen sich über Gebäudemanagementsysteme mit Protokollen wie KNX oder BACnet zentral steuern und überwachen. Für sicherheitsrelevante Anwendungen, etwa in Einbruchmeldeanlagen, ist eine VdS-zertifizierte Ausführung der Komponenten erforderlich.
Hintergrund: Sicherheitsglas
-
Sicherheitsglas Wikipedia
Sicherheitsglas, auch Sekuritglas, bezeichnet spezielle Glasscheiben mit erhöhten Sicherheitsmerkmalen. Es dient dem Schutz von Personen und Strukturen und ist für Anwendungen mit gesteigerten Anforderungen an Bruch- und Verletzungssicherheit ausgelegt.
Autor: induux Redaktion · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026, ID: 11223