Liste Hersteller Emv Kabelverschraubungen
Gottlieb-Daimler-Strasse 11, 71394 Kernen
Germany
Mehr über Emv Kabelverschraubungen
EMV-Kabelverschraubungen verbinden das Schirmgeflecht eines Kabels elektrisch mit dem Gehäuse und setzen so den Faradayschen Käfig bis zur Geräteeinführung fort. Sie ermöglichen die niederohmige Ableitung hochfrequenter Störströme, reduzieren leitungsgebundene und feldgebundene Störungen und begrenzen abgestrahlte Störungen. Neben der elektrischen Funktion übernehmen sie die mechanische Befestigung, die Zugentlastung und die Abdichtung der Durchführung – zentrale Voraussetzungen für eine stabile, reproduzierbare Schirmung im Feld.
Funktion und Aufbau der Abschirmverschraubung
Der Grundkörper mit Außengewinde, eine Druckschraube und die Hutmutter bilden die mechanische Einheit. Ein Dichtring dichtet zur Anlagefläche ab, während ein spezielles Schirmelement – Kontaktlamellen, Kontaktfeder oder Kontaktkonus – das Schirmgeflecht über einen 360°-Kontakt umlaufend fasst. So entsteht ein durchgängiger, niederinduktiver Pfad für die Ableitung, ohne den Leiteraufbau zu beschädigen.
Die Hutmutter presst das Schirmelement an, während die Druckschraube den Außenmantel im Klemmkäfig fixiert. Ein passender Dichtring und ein konstruktiv integrierter Verdrehschutz sichern die Lage des Kabels, sodass die Kontaktzone bei Zug- und Biegeeinwirkung nicht entlastet wird. Diese Geometrie unterstützt die Schirmung auch bei wechselnden Temperatur- und Lastzyklen.
Metallische Ausführungen aus vernickeltem Messing oder Edelstahl (AISI 303/304/316L) widerstehen Korrosion, Vibration und Schlageinwirkung. In Bereichen mit bewegten Leitungen – etwa in Motion-Antrieben oder in der Energiekette – bleibt der Kontakt stabil, wenn Schirmelement und Mantelklemmung Spielfreiheit vermeiden. Die robuste Bauweise minimiert Übergangswiderstände trotz Vibration und Mikrobewegungen.
Leistungskennzahlen und Prüfgrößen
Die zentrale Kenngröße ist die Übergangsimpedanz zwischen Schirm und Gehäuse. Hochwertige Ausführungen erreichen typischerweise Werte unter 10 mΩ bei 30 MHz. Je niedriger, desto besser fließen hochfrequente Ströme in die Ableitung. Hersteller legen Messmethoden offen, oft mit Kammgenerator-Anregung und Koaxialaufbau, um die Schirmdämpfung reproduzierbar bis in den zweistelligen Megahertzbereich zu bewerten.
Für raue Umgebungen sind IP-Schutzarten nach EN 60529 relevant. Gängig ist IP68, geprüft etwa mit 5 bar für 30 Minuten. Betriebstemperaturbereiche von −40 °C bis +120 °C sichern Kontaktkraft, Elastomerverhalten und Gewindedichtheit auch bei Temperatursprüngen. Die Angabe der Prüfbedingungen ermöglicht die Übertragbarkeit auf vergleichbare Anwendungen mit Feuchte, Staub oder Spritzwasser.
Materialien, Schirmung und Dichtsysteme
Metall liefert die Leitfähigkeit für die Schirmung und eine harte, EMV-taugliche Kontaktfläche. Dichtung und Zugentlastung können über Metall- oder Polymerkomponenten realisiert werden. Kunststoffbasierte Elemente reduzieren Gewicht und erhöhen die chemische Verträglichkeit, während Metall für die Ableitung unverzichtbar bleibt. Hybridkonzepte kombinieren beides und bieten eine abgestimmte Balance aus Korrosionsschutz, Kosten und EMV-Performance.
Elastomere wie NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk) und EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) dichten zwischen Mantel und Bauteil ab. Der Dichtring liegt meist unter Hutmutter oder Druckschraube und hält die Schutzart auch bei Vakuum oder Überdruck. Neben Medien- und UV-Beständigkeit zählt die Verträglichkeit mit Kabelmänteln. Nur so bleiben Zugentlastung, Verdrehschutz und Schirmkontakt dauerhaft erhalten.
Auswahl und Auslegung
Die Dimensionierung beginnt mit Außendurchmesser und Ovalität des Kabels, damit der Klemmkäfig ohne Überpressung fixiert werden kann. Für EMV-Kabelverschraubungen ist die Paarung aus Schirmelement und Mantelklemmung entscheidend. Nur wenn das Schirmgeflecht flächig gekämmt wird, entsteht ein konsistenter Kontakt für die Ableitung. Die Kabelverschraubung muss zum Gerätewerkstoff und zur Plattenstärke passen, um die elektrische und mechanische Integrität der Schirmung sicherzustellen.
- Gewinde und Passung: Metrisch, PG oder NPT. Die Steigung beeinflusst das Setzverhalten. Die korrekte Schlüsselweite und das Eckmaß erleichtern kontrolliertes Anziehen und verhindern Gehäuseschäden.
- Umgebungsbedingungen: Innen oder außen, Temperaturprofil, Chemikalien, UV sowie ATEX (Atmosphères Explosibles)-Anforderungen. Materialwahl und Dichtkonzept werden danach festgelegt.
- Materialverträglichkeit: Mantelwerkstoff, angrenzende Dichtungen und Kontaktflächen dürfen sich chemisch nicht beeinflussen. Das gilt besonders bei Medienkontakt.
- Schirmkonzept: Kontaktlamellen, Feder oder Konus nach Zielgröße der Übergangsimpedanz auswählen. Datenblätter liefern Frequenzkurven und Montagetoleranzen.
Mechanik und elektrische Kompatibilität in der Praxis
Das spezifizierte Anzugs-Drehmoment nach EN 62444 sichert Haltekraft, Dichtlinie und Schirmkontakt. Beispielwerte: etwa 5 N·m für M20 mit mittleren Mantelhärten. Druckschraube und Hutmutter werden gleichmäßig angezogen, um den Schirm nicht zu stauchen und die Dichtung nicht zu überdehnen. Eine plane, leitfähige Einbaufläche reduziert Kontaktwiderstände und verhindert Fressspuren im Gewinde.
Vor der Serie sind Produktmuster hilfreich: An echten Leitungen prüfen Teams anhand der Produktabbildung im Datenblatt die Einbausituation, Freiräume und Werkzeugwege. Passende Verpackungseinheit und Losgrößen erleichtern die Logistik. Praxis-Feedback aus Montage und Service deckt Inkompatibilitäten mit benachbarten Komponenten wie Stecker-Gehäusen, Kupplungen oder Zugentlastungsbügeln zuverlässig auf.
Montage und Betrieb
Installationshinweise
- Montageanleitung beachten: Reihenfolge, Dichtlage und Abisolierlängen exakt einhalten; nur unbeschädigte Mäntel und Schirme verwenden.
- Schirmvorbereitung: Schirmgeflecht kämmen und umlaufend anlegen; keine Drähte in den Leiterraum ragen lassen.
- Kontaktierung: Schirmelement mittig positionieren, dann Hutmutter und Druckschraube mit kalibriertem Werkzeug anziehen.
- Mechanik prüfen: Verdrehschutz, Zugentlastung und Mantelauflage kontrollieren; Biegeradius im Eintrittsbereich einhalten.
- Abschlusskontrolle: Schutzart testweise prüfen, Übergangswiderstand stichprobenartig messen, Dokumentation ergänzen.
Einsatzfelder
Die Anwendungen umfassen industrielle Automatisierung, Maschinenbau, Medizintechnik, Telekommunikation und Energieanlagen. In der Elektroinstallation und Haustechnik schützen EMV-Verschraubungen vernetzte Steuerungen vor Oberwellen und Nahfeldkopplungen. In dynamisch beanspruchten Achsen, bei Motion-Anwendungen oder in der Energiekette stützt die umlaufende Kontaktierung die Dämpfung oberhalb einiger Megahertz. Ein abgestimmter Übergang zu Stecker-Schirmanschlüssen verhindert Lücken in der EMV-Kette.
Vergleich von Schirmelementen
| Schirmelement-Typ | Funktionsweise | Vorteile |
|---|---|---|
| Kontaktlamellen | Einzellamellen umschließen den Schirm und passen sich Toleranzen an. | Guter Rundumkontakt, tolerant gegenüber Mantelabweichungen. |
| Kontaktkonus | Konisches Element drückt axial auf das Geflecht. | Hoher Kontaktdruck, sehr gute Schirmdämpfung. |
| Kontaktfeder | Federnde Segmente kompensieren Setzen und Temperaturwechsel. | Konstante Kraft, vibrationsresistent. |
Hersteller und Marktüberblick
Relevante Anbieter sind PFLITSCH, Lapp, WISKA, HUMMEL, icotek, Jacob, Roxtec, AGRO, ODU, HELUKABEL, Eaton, Phoenix Contact, ESCHA, HARTING und MENNEKES. Die Portfolios unterscheiden sich hinsichtlich Materialien, Gewindegrößen, Steigung, Schirmelementen und Freigaben für Branchenstandards. Datenblätter liefern Montageanleitung, Maßzeichnungen und Prüfwerte. Die Auswahl wird durch verfügbare Schlüsselweiten, Eckmaße und Zubehörsysteme für Gehäuseadaptionen abgerundet.
FAQ zu Emv Kabelverschraubungen
Welche Folgen hat eine unzureichende EMV-Schirmung bei Kabelverschraubungen?
Fehlende oder mangelhafte EMV-Schirmung kann Störsignale in elektronische Systeme einkoppeln und Fehlfunktionen verursachen. Typische Folgen sind Datenfehler, Ausfälle oder eine verkürzte Lebensdauer von Komponenten. Im Extremfall drohen Produktionsstillstände und die Nichteinhaltung gesetzlicher EMV-Vorgaben, was erhebliche Folgekosten verursachen kann.
Wie beeinflusst die Qualität von EMV-Kabelverschraubungen die Wirtschaftlichkeit im Anlagenbetrieb?
Hochwertige EMV-Kabelverschraubungen verringern elektromagnetische Störungen und damit Ausfallzeiten sowie Reparaturkosten. Sie sichern eine stabile Signalübertragung, erhöhen die Prozesssicherheit und verhindern Produktionsunterbrechungen. Geringe Übergangsimpedanz und hohe mechanische Stabilität verlängern Wartungsintervalle und verbessern langfristig die Kosteneffizienz.
Welche Bedeutung haben Materialkombinationen für die Beständigkeit von Abschirmverschraubungen in aggressiven Umgebungen
Materialkombinationen bestimmen maßgeblich die Beständigkeit von Abschirmverschraubungen in chemisch oder maritim belasteten Umgebungen. Edelstahllegierungen wie AISI 316L bieten hohen Korrosionsschutz gegen Salzwasser und Chemikalien. Elastomere wie FKM sichern die Dichtfunktion auch bei hohen Temperaturen und aggressiven Medien. So bleibt die EMV-Wirksamkeit dauerhaft erhalten und vorzeitiger Verschleiß wird verhindert.
Wie verändern Industrie 4.0, 5G und IoT die Anforderungen an EMV-Kabelverschraubungen?
Technologietrends wie Industrie 4.0, 5G und IoT verlangen EMV-Kabelverschraubungen mit erhöhter Abschirmwirkung für höhere Frequenzen und Datenraten. Die Miniaturisierung elektrischer Systeme erfordert kompaktere Bauformen bei gleichbleibender oder verbesserter EMV-Leistung. Zudem steigt der Bedarf an intelligenten Verschraubungen mit integrierter Sensorik und Diagnosefunktionen für vorausschauende Wartung.
Welche Ursachen führen trotz korrekter Montage zu Kontaktproblemen bei der Schirmung?
Kontaktprobleme entstehen häufig durch unzureichend gekämmte Schirmgeflechte ohne vollständigen 360°-Kontakt oder durch Kabel mit ovaler Geometrie, die eine gleichmäßige Klemmung verhindern. Auch das Nachlassen der Klemmkraft infolge Materialsetzung oder thermischer Ausdehnung kann den Schirmkontakt mindern. Mikrobewegungen und Vibrationen im Betrieb erhöhen zusätzlich den Übergangswiderstand, wenn das Schirmelement nicht ausreichend vorgespannt ist.
Wann ist eine Hybrid-EMV-Kabelverschraubung die optimale technische Lösung?
Hybrid-EMV-Kabelverschraubungen sind ideal, wenn hohe elektromagnetische Abschirmung mit besonderen mechanischen oder chemischen Anforderungen kombiniert werden muss. Sie bieten Vorteile bei Gewichtseinsparung und Schutz vor galvanischer Korrosion, ohne die Schirmleistung zu beeinträchtigen. Typische Einsatzbereiche sind Medizintechnik und Außenanwendungen mit wechselnden Umweltbedingungen.
Hintergrund: Emv Kabelverschraubungen
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Kabelverschraubung Wikipedia
Kabelverschraubungen dichten, fixieren und bieten Zugentlastung; metrische Gewinde (EN 60423), Schutzarten bis IP68/IP69K. EMV-Varianten mit Einsätzen ermöglichen Schirmanbindung und Potentialausgleich; Materialien: Kunststoff, Messing, Edelstahl; PG-Gewinde durch metrische ersetzt.