Liste Hersteller Ex Steckverbinder
Gottlieb-Daimler-Strasse 11, 71394 Kernen
Germany
Mehr über Ex Steckverbinder
Explosionsgeschützte Steckverbinder verbinden und trennen elektrische Leiter in Bereichen mit potenziell zündfähigen Atmosphären, ohne selbst zur Zündquelle zu werden. Sie kommen dort zum Einsatz, wo brennbare Gase, Dämpfe oder Stäube auftreten können, und sichern Prozesse in Anlagen, Laboren und mobilen Einheiten. Konstruktiv kombinieren sie dichte Gehäuse, definierte Kriech- und Luftstrecken sowie verriegelte Kontaktmechanik, um Funken, Lichtbögen und unzulässige Erwärmung sicher zu beherrschen.
Die Gerätekennzeichnung verweist auf Normen sowie Zonen- und Temperaturklassifizierung und ermöglicht eine klare Planung, Montage und Inspektion. Grundlage ist eine Gefährdungsbeurteilung des Aufstellorts, die die zulässige Bauart, die maximale Oberflächentemperatur und die zulässigen Medien bestimmt. Auf dieser Basis lassen sich Ex-Steckverbinder zielgenau für die jeweilige Aufgabe spezifizieren – von mobilen Antriebsabgängen bis zu hybriden Daten- und Energieanschlüssen.
Normative Einordnung und Zonenklassifizierung
Ex-Steckverbinder müssen der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU (Atmosphères Explosibles) und dem IECEx-System entsprechen. Kernregeln sind die EN 60079-0 für allgemeine Anforderungen sowie die EN 60079-10-1/-2 zur Zoneneinteilung. Die Markierung enthält Gerätegruppe, Kategorie, Zündschutzart und Temperaturklasse T1 bis T6. Für Temperaturklasse T6 gilt maximal 85 °C. Ergänzend geben Explosionsgruppen (I, IIA, IIB, IIC) die Zündenergie-Grenzen der Medien an.
- Gase und Dämpfe: Zonen 0, 1, 2 nach EN 60079-10-1; Zone 0 steht für dauerhaft oder häufig, Zone 1 für gelegentlich, Zone 2 für selten auftretende explosionsfähige Gemische.
- Stäube: Zonen 20, 21, 22 nach EN 60079-10-2; analog von dauerhaft bis selten. Auswahl und Kennzeichnung richten sich nach Medium, Temperaturklasse und erlaubter Oberflächentemperatur.
Konstruktiver Aufbau und Werkstoffe
Gehäuse werden aus seewasserbeständigem Aluminium mit Eloxalbeschichtung oder aus Edelstahl wie 1.4404 gefertigt, um Korrosion, UV-Einfluss und mechanischer Beanspruchung zu widerstehen. Die Schutzart nach IEC 60529 liegt häufig bei IP66–IP68 und umfasst Staubdichte, Starkregen und zeitweiliges Untertauchen. Labyrinthdichtungen, definierte Dichtspalte und verriegelnde Kupplungen sichern die Zündschutzfunktion.
Leiterkontakte bestehen aus Kupfer oder Kupferlegierungen und werden oft versilbert oder vergoldet, um Übergangswiderstände zu minimieren. Mechanische Kennwerte wie Schockfestigkeit und Schocksicherheit orientieren sich an Prüfungen nach IEC 60068-2-27 (z. B. 10 g/6 ms, Halbsinus) und sichern den Funktionserhalt bei Schlägen, Vibration und rauer Handhabung. Kriech- und Luftstrecken sowie selbstverlöschende Isolierstoffe sind so dimensioniert, dass unzulässige Erwärmung und Funkenbildung vermieden werden.
Elektrische Eigenschaften und Schnittstellen
Die Bemessungswerte decken je nach Baugröße Spannungen bis 690 V und Ströme bis etwa 125 A ab. Spezialausführungen können darüber liegen. Das Stecken unter Spannung ist nur zulässig, wenn die Bauart eine sichere Trennung vorsieht und die Zertifizierung dies ausweist. Für Daten stehen normierte Schnittstellen wie Ethernet, Feldbus oder Lichtwellenleiter bereit, und hybride Steckgesichter kombinieren Energie, Signale und Lichtleiter in einer Steckverbindung.
Die Aufnahmefähigkeit der Anschlussklemmen für Leiterquerschnitte wird im Datenblatt spezifiziert und reicht typischerweise von feinen Sensorleitungen bis zu mehradrigen Leistungsleitern. Je nach Wartungsstrategie kommen Schraub-, Crimp- oder Federzugtechnik zum Einsatz, und alle Varianten müssen zulässige Anzugsdrehmomente, Kontaktwiderstände und Temperaturanstiege nach Norm einhalten.
Auswahl und Auslegung in der Praxis
Die Spezifikation startet bei der Zoneneinteilung und der Mediencharakteristik und führt über Umwelteinflüsse, elektrische Lasten und Montagekonzept zur finalen Bauart. Dabei sind Gehäusewerkstoff, Dichtungssystem, Verriegelung und mögliche Trennung unter Last stets an den Zertifikatsumfang zu koppeln.
- Zone und Stoffe: Zonen 0/1/2 bzw. 20/21/22, Explosionsgruppe, Zündtemperatur, erlaubte Oberflächentemperatur.
- Umgebungseinflüsse: Temperaturbereich, UV, salzhaltige Atmosphäre, Reinigungschemikalien. Edelstahl für aggressive Medien, eloxiertes Aluminium für geringere Korrosivität.
- Leistungsdaten: Spannung, Strom, Polzahl, zulässige Erwärmung. Dimensionierung von Leiterquerschnitt und Kontaktmaterial.
- Kontaktierung: Schraub-, Crimp- oder Federzugtechnik sowie geforderte Zugentlastung und EMV-Schirmanschluss.
- Bauform und Verriegelung: Stecker/Buchse, Wand- oder Geräteflansch, mechanische Verriegelung, codierte Einsätze für Fehlsteckschutz.
| Merkmal | Industrie-Steckverbinder | Ex-Steckverbinder |
|---|---|---|
| Primärer Fokus | Funktion, Kosten, Ergonomie | Explosionsschutz, Sicherheit, Zertifikat |
| Zertifizierung | CE, UL, RoHS | ATEX, IECEx, UL HazLoc, EAC |
| Gehäuse-Schutzart | IP20 bis IP65 | IP66 bis IP68 (IEC 60529) |
| Temperaturbereich | -20 °C bis +80 °C | T-Klassen nach Norm, Oberflächentemperatur begrenzt |
| Materialien | Kunststoff, Aluminium | Edelstahl, Spezial-Aluminium, Messing, Keramik |
| Spezielle Funktionen | Allgemein ohne Verriegelung | Verriegelung, codierte Einsätze, zertifizierte Trennfunktionen |
Anwendungen und Betrieb
Typische Einsatzfelder sind chemische und petrochemische Anlagen, Bohr- und Fördertechnik, Pharma-Produktion, Lackierereien sowie Mühlen und Getreidesilos. Beispiel: In einer Zone 1-Pumpenstation mit Propan sind geeignete Gehäuse gemäß Temperaturklasse und funkenfreie Kontaktkammern maßgeblich, und in einer Zone 21-Abfülllinie für Mehl verhindern staubdichte Dichtsysteme das Eindringen von Partikeln. Verriegelungen stellen sicher, dass Stecken und Trennen nur in zulässigen Betriebszuständen erfolgt.
Anbieterlandschaft
Relevante Hersteller sind R. STAHL, BARTEC, Eaton (CEAG), Amphenol, Weidmüller, HARTING, Phoenix Contact, Marechal Electric und MENNEKES. Sie decken von kompakten Geräteeinsätzen bis zu hochpoligen Leistungskupplungen ein breites Portfolio ab und liefern Zertifikate, Prüfberichte und Montageanleitungen als geschlossene Dokumentationspakete für Audit und Instandhaltung.
FAQ zu Ex Steckverbinder
Welche typischen Fehler treten bei der Installation von Ex-Steckverbindern auf?
Häufige Fehler sind das Missachten der vorgeschriebenen Anzugsdrehmomente und die falsche Auswahl von Dichtungseinsätzen. Eine unsachgemäße Montage kann die Zündschutzart aufheben und im Explosionsfall schwere Folgen haben. Zudem müssen die vorgegebenen Kriech- und Luftstrecken eingehalten und Dichtungselemente unbeschädigt bleiben. Die Montageanleitung des Herstellers und lokale Vorschriften sind strikt zu befolgen.
Welche wirtschaftlichen Vorteile bringen Ex-Steckverbinder im langfristigen Betrieb?
Ex-Steckverbinder senken langfristig Kosten, da sie Produktionsausfälle durch Explosionen oder Brände verhindern. Sie mindern das Risiko von Sach- und Personenschäden sowie daraus resultierende finanzielle und reputative Belastungen. Die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften reduziert zudem Bußgelder und rechtliche Risiken. Investitionen in diese Komponenten sichern einen störungsfreien Betrieb und die Betriebshaftpflicht.
Wie verändert die Digitalisierung explosionsgeschützte Steckverbinder?
Durch die Digitalisierung werden explosionsgeschützte Steckverbinder mit Sensoren ausgestattet, die Zustandsdaten wie Temperatur und Kontaktwiderstand erfassen. So wird vorausschauende Wartung möglich und die Betriebssicherheit steigt. Zudem gewinnen Fernüberwachung und -diagnose über sichere Netzwerke an Bedeutung. Die Einbindung der Daten in IIoT-Plattformen verbessert Prozessoptimierung und Anlagenmanagement in explosionsgefährdeten Bereichen.
Wie häufig sind explosionsgeschützte Steckverbinder zu prüfen und zu warten
Die Intervalle für Prüfung und Wartung explosionsgeschützter Steckverbinder richten sich nach Zone, Umgebungsbedingungen und Nutzungsintensität. Üblicherweise erfolgt eine erste Sichtprüfung nach etwa sechs Monaten, eine ausführliche Inspektion nach ein bis drei Jahren. Die verbindlichen Zyklen bestimmen Herstellerangaben und die betriebsinterne Gefährdungsbeurteilung nach BetrSichV. Regelmäßige Wartung gewährleistet den Erhalt der Zündschutzart.
Sind Schulungen für das Personal im Umgang mit Ex-Steckverbindern erforderlich?
Ja. Beschäftigte, die Ex-Steckverbinder installieren, warten oder bedienen, müssen speziell geschult sein. Die Schulungen decken ATEX-Richtlinie, Zonenklassifizierung und Zündschutzarten ab. Nur qualifiziertes und autorisiertes Personal darf an diesen Systemen arbeiten, um Betriebssicherheit sicherzustellen und Fehlbedienungen zu vermeiden. Sie sind zentral für die Unfallprävention in explosionsgefährdeten Bereichen.
Wie tragen Ex-Steckverbinder zur Risikominimierung in Chemieanlagen bei?
Ex-Steckverbinder verringern in Chemieanlagen das Risiko elektrischer Zündquellen in explosionsgefährdeten Bereichen. Sie verhindern, dass Funken, Lichtbögen oder übermäßige Erwärmung explosionsfähige Atmosphären entzünden. Ihre konstruktionstechnische Ausführung und Zertifizierung gewährleisten eine sichere Trennstelle auch unter kritischen Betriebsbedingungen. Dadurch erhöhen sie die Personensicherheit und schützen die Anlageninfrastruktur.