Liste Hersteller Ex Gehäuse
Gottlieb-Daimler-Strasse 11, 71394 Kernen
Germany
Mehr über Ex Gehäuse
Explosionsgeschützte Ex-Gehäuse sind Einhausungen für elektrische Betriebsmittel, in denen Zündquellen eingeschlossen oder verhindert werden. Sie schützen vor der Entzündung von Gasen, Dämpfen, Nebeln und Stäuben, indem sie Bauformen und Werkstoffe kombinieren, die dem jeweiligen Medium und der Zoneneinteilung entsprechen. Grundlage sind die Normenreihe IEC 60079 und die Richtlinien nach ATEX (Atmosphères Explosibles) und IECEx (IEC System for Certification to Standards Relating to Equipment for Use in Explosive Atmospheres).
Grundlagen und Schutzkonzepte
Ein Ex-Gehäuse kapselt Elektronik, Schalter und Klemmen so, dass interne Funken, heiße Oberflächen und Lichtbögen keine äußere Atmosphäre entzünden. Typische Zündschutzarten sind die druckfeste Kapselung Ex d für das kontrollierte Innenexplodieren ohne Außenwirkung, die erhöhte Sicherheit Ex e zur Vermeidung von Funkenbildung und die Eigensicherheit Ex i für begrenzte Energie. Die zugehörige Zertifizierung ordnet Geräte Zonen und Temperaturklassen zu.
Für die Auswahl ist die Schutzart nach IP-Code (Ingress Protection) maßgeblich, da Staub- und Wasserzutritt die Sicherheit beeinflussen. Ebenso relevant sind Gas- und Staubgruppen nach IEC 60079, die Leitspaltmaße und Materialien begrenzen. Die Gerätezertifizierung verweist auf die zulässigen Umgebungsbedingungen, die Prüfmethode und die Dokumentationspflichten im späteren Betrieb.
Technische Merkmale und Aufbau
Konstruktiver Aufbau und Komponenten
Ex-Gehäuse bestehen aus Gehäuseunterteil, Deckel und einem Verschlusssystem mit definierter Spaltgeometrie. Eine innere Montageplatte oder Klemmschienen fixieren die elektrischen Baugruppen. Befestigungsdome erlauben schwingungsfeste Verschraubung. Die Deckelpartie trägt eine Dichtung, meist als IP67-taugliche Deckeldichtung aus Silikon oder EPDM, um das Eindringen von Staub und Wasser zu begrenzen.
Die Aufheizberechnung berücksichtigt Verlustleistung, Oberfläche und Konvektion, damit die klassifizierte Temperaturklasse eingehalten wird. Für druckfeste Kapselung definieren Flammendurchschlagsstrecken und Deckelspalte den zulässigen Explosionsdruck. Mechanische Robustheit wird als IK10 (Impact Protection, IK-Code) spezifiziert, wenn hohe Schlagenergie zu erwarten ist.
Werkstoffe und Eigenschaften
Edelstahlboxen aus 1.4301 oder 1.4404 bieten hohe Korrosionsbeständigkeit, wahlweise mit Strichschliff für reinigungsfreundliche Oberflächen in Hygieneanwendungen. Aluminiumlegierungen bieten geringe Masse und gute Wärmeleitfähigkeit, was Temperaturreserven schafft. Dichtwerkstoffe wie Silikon bleiben elastisch über weite Temperaturbereiche. Die schutztechnische Wirksamkeit hängt von präziser Bearbeitung der Spaltmaße und galvanischer Verträglichkeit im Chassis ab.
| Eigenschaft | Edelstahl 1.4301 (AISI 304) | Aluminiumlegierung |
|---|---|---|
| Korrosionsbeständigkeit | Sehr hoch (chloridarm, DIN EN 10088-1) | Mittel, anodisiert |
| Mechanische Festigkeit | Zugfestigkeit ca. 500–700 MPa | Zugfestigkeit ca. 200–300 MPa |
| Gewicht | Relativ hoch | Gering |
| Einsatztemperatur | -60 °C bis +135 °C | -20 °C bis +80 °C |
| Kosten | Mittel bis hoch | Gering bis mittel |
Auswahl und Auslegung
Kriterien für die passende Lösung
Die Auslegung beginnt mit der Zoneneinteilung (z. B. 1/2/21/22) und der Stoffgruppe IIA/IIB/IIC oder IIIA/IIIB/IIIC. Aus dem Medium ergeben sich Spaltlängen und mögliche Zündquellen. Das resultierende Gehäusesystem muss die Lastfälle der Industrieanlage abdecken, einschließlich Umgebungstemperatur und Vibration. Größe und Montagemaße richten sich nach der Bedarfsmenge an Komponenten, Wartungszugang und Kabelführung.
- Zündschutzart und Gerätekategorie: Zuordnung zur Zone und Gruppe, mit eindeutiger Kennzeichnung auf dem Typenschild.
- Schutzart (IP-Code): Staub- und Wasserschutz gemäß Einsatzort, häufig IP66 oder IP67.
- Temperaturklasse: Oberflächentemperatur unterhalb der Zündtemperatur des Mediums halten.
- Material: Edelstahlbox, Aluminium oder Kunststoff nach Korrosion, Masse und Reinigung.
- Mechanik: Schlagfestigkeit, Befestigungsdome und Chassis-Anbindung berücksichtigen.
- Dokumentation: Vollständige Stückliste und Begleitblatt für die Nachweisführung.
Integration von Elektronik und Bedienung
Für die Integration von Elektronik sind geprüfte Kabeldurchführungen, Klemmschienen und abgedichtete Durchbrüche einzusetzen. Bedienflächen mit Eingabefeld, Eingabetaste und skalierten Anzeigefenstern müssen explizit für Zone und Medium zugelassen sein. Steckverbinder und Leitungen sind so zu platzieren, dass Kriechstrecken und die Schutzart erhalten bleiben. Eine vollständige Stückliste mit Herstellerteilen und die Aufnahme ins Begleitblatt sichern die Rückverfolgbarkeit im Chassis der übergeordneten Anlage.
Anwendungen und Herstellerlandschaft
Einsatzfelder in Industrieanlagen
Ex-Gehäuse schützen Mess- und Steuertechnik in Petrochemie, Öl- und Gasförderung, Raffinerien, Lackierereien, Mühlen und Silos sowie in pharmazeutischer und Lebensmittelproduktion. Typische Aufgaben sind die Aufnahme von Klemmenkästen, Remote-I/O, Funkmodulen oder lokalen Bedienstellen. Anbieter mit breitem Programm sind etwa R. STAHL, Rittal, Phoenix Contact, Eaton (CEAG), Pepperl+Fuchs, Bartec, Rose Systemtechnik, Fibox und Weidmüller.
Konformität, Installation und Wartung
Die Konformität umfasst Gerätezertifizierung, Montage nach Anleitung und regelmäßige Inspektionen. Prüfpunkte sind die Unversehrtheit der Deckeldichtung, das Anzugsdrehmoment der Schrauben, die Erdung gemäß Schutzklasse und das Fehlen unzulässiger Modifikationen. Jede Änderung am Gehäuse erfordert eine Neubewertung der Zulassung, einschließlich Aktualisierung von Begleitblatt und Schildern.
- Vor Inbetriebnahme: Zertifikate prüfen, Temperaturklasse mit Verlustleistung abgleichen, IP-Dichtigkeit testen.
- Im Betrieb: Sichtprüfung auf Korrosion, Dichtungsschäden und Gehäuseverformung sowie Funktionsprobe von Verriegelungen.
- Bei Änderungen: Stückliste anpassen, Eintragung ins Begleitblatt, Herstellerfreigabe einholen.
Planung, Beschaffung und Dokumentation
In der Beschaffung definieren Betreiber die Bedarfsmenge, gewünschte Lieferlose und Logistikdaten wie Versandkosten. Die Dokumentation bündelt Zertifikate, Montagezeichnungen, Explosionsschutz-Kennzeichnungen und die praxisrelevanten Drehmomente. Für Endverbraucher im industriellen Umfeld sind klare Hinweise zur bestimmungsgemäßen Verwendung wichtig, da Ex-Bauteile nur in zugelassenen Kombinationen betrieben werden dürfen.
Thermisches Management und Betrieb
Die Aufheizberechnung bezieht Umgebung, Einbaulage, innere Verlustleistung und Wärmeleitpfade der Materialien ein. Aluminiumgehäuse reduzieren Hotspots, Edelstahl stabilisiert unter chemischer Belastung. Lüftungsöffnungen sind in Ex-Zonen unzulässig. Stattdessen werden Masse, Oberfläche und Anordnung der Komponenten optimiert, damit die gewählte Temperaturklasse dauerhaft eingehalten wird.
Ein stimmiges Gesamtkonzept verbindet Zündschutzart, mechanische Auslegung und elektrische Schutzklasse. So bleibt das Gehäuse über den Lebenszyklus normkonform und erfüllt die Anforderungen der Industrieanlage ohne Abstriche an Sicherheit und Nachweisführung.
Hinweise zur Terminologie: Der Begriff Gehäuse wird hier als neutrale Einhausung verwendet. Die explosionsschutztechnische Ausprägung richtet sich nach Zertifizierung, Schutzart und dokumentiertem Verwendungszweck.
FAQ zu Ex Gehäuse
Welche technologischen Trends beeinflussen die künftige Entwicklung von Ex-Gehäusen?
Die Entwicklung von Ex-Gehäusen wird zunehmend durch intelligente Technologien geprägt. Wichtige Trends sind drahtlose Kommunikation, miniaturisierte Sensorik und Echtzeit-Datenübertragung aus explosionsgefährdeten Bereichen. Diese Fortschritte ermöglichen vorausschauende Wartung und eine effizientere Prozessüberwachung.
Wie wirken sich explosionsgeschützte Gehäuse auf die Betriebskosten einer Anlage aus?
Explosionsgeschützte Gehäuse senken die Gesamtbetriebskosten einer Anlage, da sie Ausfallzeiten verringern, Reparaturaufwand reduzieren und Sicherheitsstandards erfüllen. Dies führt zu niedrigeren Versicherungsprämien, geringeren Haftungsrisiken und langfristigen Einsparungen durch hohe Langlebigkeit und höhere Anlagensicherheit.
Welche typischen Fehler treten bei der Installation von Ex-Gehäusen auf?
Zu den häufigsten Fehlern zählen unzureichend angezogene Kabelverschraubungen, der Einsatz nicht zertifizierter Komponenten sowie die Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Drehmomente für Verschlüsse. Auch das Missachten der Umgebungstemperaturklasse und eigenmächtige Änderungen am Gehäuse führen zu Sicherheitsrisiken und machen die Zulassung ungültig.
Wie kann Wartung die Lebensdauer eines Ex-Gehäuses verlängern?
Regelmäßige Prüfungen auf Korrosion, mechanische Schäden und Dichtungszustand erhöhen die Lebensdauer eines Ex-Gehäuses. Ergänzend sind die Kontrolle der Anzugsdrehmomente aller Befestigungen sowie der Zustand der Erdungsverbindungen entscheidend. Eine lückenlose Dokumentation und der rechtzeitige Austausch verschlissener Komponenten sichern die Schutzfunktion langfristig.
Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit bei der Auswahl von Materialien für Schutzgehäuse?
Nachhaltigkeit bei der Materialauswahl für Schutzgehäuse umfasst vor allem Recycelbarkeit und energieeffiziente Herstellung. Werkstoffe wie recyceltes Aluminium oder bestimmte Kunststoffe verringern den ökologischen Fußabdruck. Langlebige und reparierbare Gehäuse erhöhen zusätzlich die Ressourceneffizienz.
Wie lassen sich intelligente Sensoren in explosionsgefährdeten Bereichen sicher integrieren?
Die Integration intelligenter Sensoren in explosionsgefährdeten Bereichen erfolgt über eigensichere Schutzarten wie Ex i, die die Energiezufuhr begrenzen. Drahtlose Sensoren verwenden energiesparende Funktechnologien wie LoRaWAN oder Bluetooth LE mit Ex-Zertifizierung. Zertifizierte Schnittstellen und sichere Übertragungsprotokolle verhindern die Entstehung von Zündquellen.
Welche Schulungen sind für Mitarbeiter im Umgang mit explosionsgeschützter Ausrüstung vorgeschrieben
Mitarbeiter, die explosionsgeschützte Ausrüstung verwenden, müssen Schulungen nach den ATEX-Richtlinien, insbesondere ATEX 153, absolvieren. Diese vermitteln Wissen über Zoneneinteilungen, Zündschutzarten, korrekte Installation und Wartung sowie die Identifikation potenzieller Gefahren. Regelmäßige Auffrischungen sichern den aktuellen Kenntnisstand und die Einhaltung der Vorschriften.
Hintergrund: Ex Gehäuse
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Explosionsschutz Wikipedia
Die Wikipedia-Seite erläutert Explosionsschutz grundlegend: Zoneneinteilung, sicherheitstechnische Kenngrößen, Zündschutzarten (z. B. Ex d, Ex e, Ex i), konstruktive Maßnahmen, Geräte- und Temperaturklassen sowie ATEX-/IEC 60079 Normen und Kennzeichnung.