ES IST ZEIT: FAHRT AUFNEHMEN IM DIGITALISIERUNGS-PROZESS

Pressemeldung, letzte Änderung: , Autor : Veikko Wünsche

ES IST ZEIT: FAHRT AUFNEHMEN IM  DIGITALISIERUNGS-PROZESS

Die metallverarbeitende Branche ist noch nicht in der Digitalisierung und bei Industrie 4.0 angekommen. Dabei ist es höchste Zeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Moerdijk, Niederlande, 30.03.2022. Dekarbonisierung, Elektrifizierung, Energiewende und Nachhaltigkeit sind die Zukunftsthemen der metallverarbeitenden Industrie. Bas Sanders van Well, Business Unit Manager Benelux bei Messer Cutting Systems meint, dass dazu viel mehr Flexibilität und Agilität in den Prozessen in der Branche notwendig sind, um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein. Aus seiner Sicht ist eine Digitalisierung der Produktion dabei unbedingte Voraussetzung. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen und ihn nach möglichen Strategien befragt


Als Business Unit Manager Benelux haben Sie seit 2017 ständigen Kontakt zu Ihren Kunden. Seit 2013 kennen Sie die Branche. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf für Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie?

Digitalisierung ist aus meiner Sicht eine sehr wichtige Entwicklung für die Branche. Sie ist im Moment das Schlüsselthema, um Unternehmen schlank zu machen. Insbesondere der Fachkräftemangel spielt dabei eine entscheidende Rolle. Für viele Brennschneidbetriebe ist es schon seit einiger Zeit sehr schwierig, technisch gut ausgebildetes Personal zu finden. Hinzu kommt, dass einige der Tätigkeiten wenig attraktiv sind. Das Thema Digitalisierung kommt dabei genau zur richtigen Zeit, um dieses Problem zu lösen.


Warum sollten die Brennschneidbetriebe ihre Prozesse digitalisieren?

Der größte Vorteil liegt darin, dass sie ihre Produktion mit weniger Ressourcen reibungsloser und exakter erledigen. Ein immer wichtiger werdender Aspekt sind gesetzliche Regelungen und Normen, die eingehalten werden müssen. Stahlerzeugung und Zuschnitt leiden immer mehr unter dem Aufwand und den Anforderungen zur Dokumentation, Registrierung und Rückverfolgbarkeit. Mit Hilfe der Digitalisierung sind diese Dinge für eine digitalisierte Produktion ganz einfach geworden und mit wenig Verwaltungsaufwand zu erledigen. Softwarelösungen leisten dabei große Unterstützung und sorgen dabei für die notwendige Automatisierung der Produktionsprozesse.


Wie sollte ein Unternehmen in den Digitalisierungsprozess starten?

Es gibt inzwischen eine große Auswahl an Anbietern für Digitalisierungslösungen. Das bedeutet, dass ausreichend Optionen auf dem Markt zur Verfügung stehen, um die meisten Anforderungen für eine Digitalisierung der Prozesse abzudecken. Aber die richtige Gesamtlösung aus Maschinen, Software und Automatisierung zu finden, ist ziemlich schwierig. Der Schlüssel besteht hier in den offenen Schnittstellen. Denn häufig müssen mehrere Anbieter an einen Tisch kommen, um die Systeme miteinander zu verbinden und Brücken der digitalisierten Kommunikation zu schaffen.

Die häufigsten Anfragen für Digitalisierungs-Projekte werden an uns herangetragen, wenn Unternehmen ihre Produktion ausbauen wollen und dazu zusätzliche Messer Maschinen benötigen. Das ist häufig verbunden mit dem Wunsch, die Produktion auch zu digitalisieren. Dabei liegt die Aufgabenstellung meist darin, das Unternehmen zu digitalisieren, ohne die Kontrolle, die persönlichen Aspekte und Kontakte zu bestehenden Kunden zu verlieren. Natürlich sollen dabei Kosten reduziert und der Arbeitsaufwand verringert werden. Oft geht es auch darum, bestehende ERP-Systeme einzubinden, um einen digitalen Workflow ohne Papierflut in der Produktion zu schaffen. Für all diese Aufgaben sehen wir uns dann als Partner auf Augenhöhe, um sie zu lösen.


Wie findet man die richtige Lösung und den richtigen Umsetzungspartner?

Für ein Unternehmen, dass die Produktion und Prozesse digitalisieren möchte, ist eine gute Vorbereitung sinnvoll. Darüber hinaus sollte klar sein, dass Digitalisierung ein Prozess ist und meistens schrittweise umgesetzt wird. Bei der Auswahl des richtigen Partners sollte man eine Reihe von Fragen stellen und Angebote auf dem Markt dahingehend prüfen.

Die wichtigsten Fragen lauten:

•    Ist es möglich, diese Lösung mit bestehenden Softwaresystemen zu verbinden?

•    Kann diese Lösung auch auf Maschinen von Drittanbietern implementiert werden?

•    Wie gut ist die lokale/internationale Unterstützung?

•    Wie sind die Aktualisierung und Weiterentwicklung der Lösung geregelt nach meinem Kauf?

•    Habe ich Einfluss auf die Entwicklung? Passt diese zu meinen Vorhaben?


Wichtig ist auch, dass alle beteiligten Projektpartner an einem Strang ziehen. Sie benötigen immer Drittanbieter-Software, meistens die der ERP-Systeme. Es gibt viele effektive und im Markt eingeführte Pakete für ERP-Lösungen, die in den meisten Unternehmen auch bereits im Einsatz sind. Offene Schnittstellen geben dem Kunden dann die Möglichkeit, aus verschiedenen Welten das Beste auszuwählen. Wir arbeiten dazu mit verschiedenen Anbietern zusammen. So kann unser Kunde die bestmöglichen Optionen für sich abwägen und auswählen.


Was sind die besonderen Herausforderungen bei einem Digitalisierungsprojekt?

Nun, Sie brauchen auf der Kundenseite immer einen proaktiven Ansatz. Das heißt, es muss im Unternehmen jemanden geben, der das Projekt verantwortlich führt und auch vorantreibt. Darüber hinaus sind einige Kenntnisse über IT und Software im Unternehmen notwendig. Denn ein 100%iges Outsourcing an den Projektpartner ist äußerst schwierig. Es geht hier eben nicht mehr nur um Maschinen, sondern um die Digitalisierung von Prozessen. Das hat weitläufige Konsequenzen für das gesamte Unternehmen. Darüber sollte man sich klar sein. Die Herausforderung für den externen Partner, wie wir es sind, liegt dann darin, eine Lösung zu finden, wie wir all dies gemeinsam abdecken und dem Kunden dabei helfen.

Messer Cutting Systems ist da geradeaus und aus meiner Sicht derzeit die Nummer eins, die beide Welten, also Maschine und Software, aus einer Hand bietet. So können wir das Beste aus den Maschinen herausholen.


Ist die Entscheidung für die Digitalisierung einmal gefallen, wie geht es dann weiter?

In einem ersten Schritt geht es darum, die bestehenden Prozesse und ihre Zusammenhänge in Ihrem Unternehmen zu verstehen. Anschließend werden die besten Optionen definiert, bei denen Sie Ihre Produktion optimieren und Workflows verkürzen und digitalisieren können. Ist diese Bewertung abgeschlossen, werden die neuen Arbeitsabläufe systematisch aufgezeigt und mit den Projektpartnern die Ideen besprochen.

Die Umsetzung kann schrittweise und in fest definierten Phasen erfolgen. Manchmal kann das Digitalisierungsprojekt einen solchen Umfang bekommen, dass die Auswirkungen auf das Unternehmen zu groß sind und wir es unseren Kunden empfehlen, das Projekt in mehrere Teile aufzusplitten. Für eine erfolgreiche Umsetzung sollten Sie immer Ihre Produktionsleitung, IT, Arbeitsvorbereitung, Verschachtelung und den Vorstand zusammenbringen, um das Projekt voranzubringen.

Hier noch einmal die wichtigsten Projektschritte:

1.    Analysieren und bewerten Sie intern Ihre aktuelle Situation.

2.    Definieren Sie Ihren Wunschzustand.

3.    Erarbeiten Sie mit Ihrem Projektpartner eine Lösung und definieren Sie Details.

4.    Lassen Sie vom Projektpartner eine Testumgebung vor Ort erstellen.

5.    Setzen Sie die definierte Lösung, wenn nötig schrittweise, um.

6.    Führen Sie nach einigen Monaten ein Follow-up mit Ihren Projektpartnern durch.


Wie lange dauert ein Digitalisierungsprojekt?

Das ist immer abhängig von der Komplexität. Generell gilt, dass es zwischen drei und neun Monaten dauert: von der Bestellung der Lösung über die Implementierung, bis zur Qualitätssicherung und Abnahme. Je besser und enger die Zusammenarbeit der Beteiligten, je offener die Kommunikation, desto besser geht es voran. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein kontinuierlicher Kommunikationsprozess kombiniert mit einem gut durchdachten Plan mit schriftlichen Anforderungen für beide Parteien das beste Erfolgsrezept ist.

Messer Cutting Systems bietet sich als Partner für Gesamtlösungen an. Wir hören unseren Kunden zu und holen sie dort ab, wo sie aktuell stehen. Wenn sie unsere Lösungen anwenden, haben sie die Möglichkeit, diese mit uns permanent weiterzuentwickeln und zu verbessern. Wir nutzen ihre Informationen, um sie in neue Lösungen einzubeziehen.


Sie haben bereits zahlreiche Digitalisierungsprojekte bei Ihren Kunden umgesetzt. Was hat es den Kunden dann tatsächlich auch gebracht?

Einer der größten Vorteile, die wir bei unseren Kunden beobachten, ist tatsächlich die Nachverfolgung, Überwachung und Rückverfolgbarkeit von Produkten und geschnittenen Bauteilen. Aber auch schnelle Reaktionszeiten bei der Erstellung von Angeboten und der Produktionsplanung sorgen bei unseren Kunden für wahre Begeisterung. Wir haben Kunden, die bereits verlorene Kunden dauerhaft wieder zurückgewonnen haben, weil sie ihnen ad hoc genaue Daten, Preise und Termine liefern können. Das wissen die Kunden zu schätzen.

Natürlich sorgen Digitalisierungslösungen auch für Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Sie sparen Zeit beim Auftragseingang, bei der Planung, der Produktion bis hin zur Geschäftsprozessanalyse. Alles geht schneller, ohne Medienbrüche und sorgt für Planungssicherheit. Sie sparen Ressourcen, nutzen ihre Maschinen besser aus und gewinnen Zeit für zusätzliche Prozesse. Sie können Personalkosten reduzieren und minimieren Ausfallkosten.


Gibt es auch Vorteile für die Mitarbeitenden?

Ja, natürlich. Jeder einzelne Mitarbeitende hat die Möglichkeit, papierlos und digital zu arbeiten. Durch Digitalisierungslösungen sind alle Beteiligten in der Lage, den gesamten Produktionsfluss zu verfolgen. Aufgrund der Automatisierung werden Arbeiten einfacher und schneller. Es macht mehr Spaß und gute motivierte Mitarbeitende bleiben dem Unternehmen auch länger erhalten.


Welche zukünftigen Trends sind wichtig und wie werden sich Digitalisierungslösungen weiterentwickeln?

Ich sehe den Fokus auf der vollständigen Digitalisierung des Workflows in der Produktion in Kombination mit der Automatisierung beim Be- und Entladen der Maschinen. Die Zukunft ist die mannlose Produktionsfabrik.

So wird die Digitalisierung bestehende Jobs weitreichend verändern. Arbeit wird sich verändern. Die gesamte Produktion wird sich in Zukunft verändern. Alles wird viel schneller erledigt und wird Ressourcen sparen. Das gilt es zunächst einmal zu verstehen und sich darauf einzustellen.

Viele Unternehmen sind aber dort noch lange nicht angekommen. Sie wissen zwar, dass die Digitalisierung zwangsläufig auf sie zukommt, aber haben noch nicht allzu viel in diese Richtung unternommen. Hier sehe ich an vielen Stellen akuten Handlungsbedarf, damit die Entwicklung nicht verschlafen wird und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen hinter den aggressiven Asiaten zurückbleibt.


Herr Bas Sanders van Well, wir danken Ihnen für das Gespräch.